Dok. 06-287
Petr Ginz erwähnt im Frühsommer 1942 in seinem Tagebuch das Attentat auf Heydrich und die Folgen für die Prager Bevölkerung

Auf den SS-Obergruppenführer Heydrich hat man einen Bombenanschlag

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Petr Ginz (1928–1944), Schüler; führte Tagebuch von Okt. 1941 bis zu seiner Deportation nach Theresienstadt im Okt. 1942, verfasste und illustrierte zwischen seinem 8. und 14. Lebensjahr fünf Romane; in Theresienstadt Herausgeber der Zeitschrift Vedem, zeichnete und schrieb zu Themen wie Geographie, Soziologie, Geschichte, Technik; Autor eines Esperanto-Tschechischen Wörterbuchs; Im Sept. 1944 mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

 

Handschriftliches Tagebuch

 

27.5.1942 (Mittwoch)

[…]

Auf den SS-Obergruppenführer Heydrich hat man einen Bombenanschlag verübt. Daraufhin wurde der Ausnahmezustand erklärt. Alle, die heute nach 21 Uhr und morgen vor 6 Uhr die Straße betreten und bei der ersten Aufforderung nicht stehen bleiben, werden erschossen. Für denjenigen, der die Attentäter der Polizei übergibt, wurde eine Belohnung in Höhe von 10 000 000 Kronen ausgesetzt. Derjenige, der die Attentäter kennt und es nicht meldet, wird mit der gesamten Familie erschossen.

 

28.5.1942 (Donnerstag)

Vormittags wurde gemeldet, dass sich Herr Heydrich außer Lebensgefahr befindet.

Nachmittags in der Schule.

Abends kam eine Lautsprechermeldung, dass acht Leute wegen Beherbergung von ungemeldeten Personen erschossen wurden. Unter ihnen auch ein Siebzehnjähriger.

 

29.5.1942 (Freitag)

Vormittags in der Schule. Nachmittags zu Hause und draußen.

Ein gewisser Valcik wird gesucht. Belohnung 100 000 Kronen.

 

30.5.1942 (Samstag)

Nachmittags mit Popper. Habe ein neues Plakat gesehen, auf dem ein weiterer Mörder gesucht wird. Belohnung 10 000 Kronen.

Wegen öffentlicher Billigung [des Attentats] wurden 45 Menschen erschossen. […]

 

31.5.1942 (Samstag)

[…]

Die Protektoratsregierung hat die Belohnung von 10 000 000 Kronen um weitere 10 000 000 Kronen erhöht. Die erste wurde von dem Leiter der SS ausgesetzt.

 

1.6.1942 (Montag)

Insgesamt 18 Menschen erschossen, meist wegen Beherbergung ungemeldeter Personen. Vormittags in der Schule, nachmittags zu Hause und draußen. In Berlin wurde ein Attentat auf die Ausstellung „Das Sowjetparadies“ verübt, in der Nähe hat man ein paar Juden erwischt. Deswegen wurden 250 [Juden] erschossen und 250 in die Konzentrationslager (KZs) gebracht.

 

2.6.1942 (Dienstag)

Vormittags zu Hause und in der Stadt, nachmittags in der Schule. Ganz Libeň ist abgeriegelt, es muss dort etwas passiert sein. Ein paar aus unserer Klasse, die aus Libeň stammen, haben gehört, dass einer aus dem Fenster guckte und dabei angeschossen wurde.

Die ganze Nacht sind dort (bei ihnen) Autos mit deutschen Soldaten herumgefahren, und als jemand (etwa um 5 Uhr morgens) aus dem Fenster sah, haben sie auf ihn geschossen. Alle älteren Mädchen aus Libeň wurden abgeführt, man hat ihnen die Haare gewaschen und sie dann wieder entlassen. Es wird eine Blondine gesucht, die den Attentätern das Fahrrad gehalten haben soll. Die Juden dürfen nicht mehr zum Friseur.