Dok. 06-231
Irma Salomon schildert Eva Noack Anfang März 1943, wie sie bei ihrem Fluchtversuch während der „Fabrikaktion“ in Berlin verletzt wurde, und macht sich Sorgen um ihren Mann

Liebes Evchen! Nun hat man mich auch. Bin Sonnabend

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Irma Salomon, geb. Pinkus (1898–1943); die geplante Emigration scheiterte, da ihrem Ehemann Arthur Salomon (1887–1943), Kaufmann, aufgrund eines Herzleidens kein Visum bewilligt und mit ihm die ganze Familie zurückgestellt wurde, sie stand bis zum 31.4.1943 im regelmäßigen Briefkontakt mit Eva Noack; am 17.5.1943 aus dem jüdischen Krankenhaus nach Auschwitz deportiert
und dort ermordet.

 

Eva Noack-Mosse, geb. Mosse (1902–1990), Journalistin; entstammte der deutsch-jüdischen Verlegerfamilie Mosse, durch ihren nichtjüdischen Mann zunächst von der Deportation ausgenommen, zog 1941 von Berlin nach Oberstorf, in derHoffnung, auf dem Land vor Verfolgung besser geschützt zu sein; am 22.2.1945 nach Theresienstadt deportiert; kehrte nach Deutschland zurück und war wieder als Journalistin und Autorin tätig.

Handschriftliche Briefe vom 1. und 6.3.1943

 

der 1.3.43

Liebes Evchen!

Nun hat man mich auch. Bin Sonnabend mit sämtlichen Arbeitenden abgeholt worden aus der Fabrik. Stürzte aber und brach das Bein, weswegen ich nicht in der Sammelstelle blieb, sondern hier ins jüdische Krankenhaus, Iranische Straße, kam. Weiß heute noch nicht, was mit meinem Mann und den Kindern geschehen ist. Meine Schwiegertochter traf ich im Clou (Sammelstelle). Alles weinend, nur mit dem, was auf dem Leib. Nur ich habe noch einen Versuch gemacht. Bitte denken Sie an meinen Mann, der zu Hause liegt, wenn er nicht abgeholt wurde. Wie lange ich noch hier sein werde, ist fraglich. Hoffentlich ist bei Ihnen alles in Ordnung. Bitte unterrichten sie Bärbelchen. Ich darf Post und Besuch unkontrolliert empfangen.

 

der 6.3.43, Sonnabend

Liebes Evchen!

Eben kommt Ihr Brief. Herzlichsten Dank – ich brauche wirklich alles, da ich ja beinahe nackt und bloß hier eingeliefert wurde. Aber das ist ja so unwichtig! Ich bin halb verrückt vor Sorge um meinen Mann, den man am Sonntag ¼ 12 aus der Wohnung geholt hat, der nicht weiß, wo ich bin und dessen Aufenthalt ich, trotz aller Bemühungen, noch nicht herausbekommen konnte. Vielleicht hat man den armen kranken Mann schon abtransportiert. Sie arbeiten hier mit einem unvorstellbaren Tempo! Jetzt hat man noch die Häuser nachgekämmt. Mit Stern darf man sich nicht auf der Straße sehen lassen.