Dok. 15-189
Béla und Eszter Bauer aus Bugyi schreiben am 28. Mai 1944 vor ihrer Deportation ihren Angehörigen in Budapest, sie fühlten sich, als ob ihre Hinrichtung bevorstehe

Mein teurer, einziger, guter Bruder und meine Schwägerin,ich ergreife die letzte

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Béla Bauer (1890–1945); Deportation nach Auschwitz, anschließend im August nach Dachau, im April 1945 umgekommen.

 

Eszter Bauer (*1924), Schneiderin, Tochter von Béla Bauer; im Okt. 1944 als politischer Häftling über Auschwitz nach Altenburg deportiert, überlebte den Krieg.

 

Ernő Bauer (*1887), Schneider; Bruder von Béla Bauer, überlebte den Krieg in Budapest.

Handschriftlicher Brief an Bözsi und Ernő Bauer

 

Mein teurer, einziger, guter Bruder und meine Schwägerin,
ich ergreife die letzte Gelegenheit, um Euch durch diesen braven Soldaten etwas zukommen zu lassen. So beruhigt es wenigstens meine Seele, indem ich alles in meiner Macht Stehende getan habe.
Mein Ernő, wir werden am Mittwoch um fünf Uhr abfahren, [es ist,] als ob man auf den Galgen warten würde. Ernő und Bözsi, ich bitte Euch nur darum, mich, wenn Ihr könnt, nicht zu vergessen. Ich bin jetzt ein Bettler, ich besitze weder Möbel noch Haus. Wir sind heimatlos geworden, uns erwarten furchtbare Tage. Ich denke in jeder Minute an Euch und meine teure, gute Mutter. Ich habe wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen. Es kann nur ein Zufall sein, dass der liebe Gott so viel Leid zulässt. Ich umarme die Gézas, Lili, Tomi und Dich. Kuss von Deinem unglückseligen Bruder und Deiner Esztike