Dok. 14-200
Momčilo Damnjanović sagt am 7. Februar 1945 über die Einäscherung der Leichen aus den Massengräbern bei Belgrad aus

Sobald wir in Jajinci angekommen waren, ketteten sie uns an

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Momčilo Damnjanović (*1906), Bauer; vom 21. 10. 1943 an im Lager Banjica, am 22. 12. 1943 von der UGB an die SS ausgeliefert, am 29.1.1944 von der Arbeit bei Avala geflohen.

 

Dušan (Božidar) Drča (*1918), Mühlenkontrolleur; Radoslav Zečević (*1906), Gemeindevorsteher; Zlativoje Jakovljević (*1908), Bauer. Die drei im Lager Banjica Internierten wurden am 22. 12. 1943 von der UGB an die SS ausgeliefert, am 29. 1. 1944 konnten sie vom Arbeitsdienst fliehen.

 

Verhörprotokoll des Zeugen Momčilo Damnjanović  bei der Staatlichen Kommission (für die Feststellung der Verbrechen der Besatzer und ihrer Helfer)

 

Sobald wir in Jajinci angekommen waren, ketteten sie uns an, und ein deutscher Leutnant hielt uns einen kurzen Vortrag und teilte uns mit, dass wir eine Arbeit verrichten würden, die für das Deutsche Reich nützlich sei und für die wir belohnt würden. Sollte jedoch jemand versuchen zu fliehen, würde er sofort erschossen. Da es mittlerweile Abend geworden war, sperrten sie uns in ein Zimmer, wo sich noch 90 Personen aufhielten, darunter 55 Juden und 35 Zigeuner. Von ihnen erfuhren wir, dass wir mit der Ausgrabung und Verbrennung von Leichen zu tun haben würden. Am darauffolgenden Tag wurden alle aus dem Zimmer geholt, und wir begannen unter Aufsicht und Anleitung der Deutschen mit der Arbeit. Unsere Aufgabe bestand darin, die Gräber freizuschaufeln und die Leichen auszugraben. Die Leichen ordneten wir wie Baumstämme an, d. h. erst eine Reihe, dann eine zweite quer darüber und so weiter. Bis zum Abend hatten wir auf diese Weise einen Haufen aufgeschichtet, der 7–8 Meter lang, 1–2 Meter hoch und 4 Meter breit war, weil jeweils zwei Leichen aneinandergelegt wurden, gewöhnlich Kopf an Kopf. Am Ende lagen schätzungsweise 700 Leichen auf dem Haufen. Eine so große Anzahl Leichen passte nur deshalb auf so kleinen Raum, weil sie bereits ausgetrocknet waren.

[...] Schließlich entzündeten wir den Scheiterhaufen und gossen weiterhin Öl darüber, bis das Feuer richtig brannte. [...] Da es für die Deutschen offensichtlich nicht schnell genug vorwärtsging, befahlen sie uns am nächsten Tag, zwei Scheiterhaufen aufzuschichten. [...]

Am vierten Tag schafften die Deutschen eine Lore heran. [...] Daran war ein eiserner Hebebaum montiert, ungefähr 6–7 Meter lang, an ihrem vorderen Ende befand sich eine größere Schaufel. Der Hebebaum konnte auf und ab bewegt werden wie eine Wippe, ebenso nach links und rechts. [...] Mit dem Hebewagen wurden laufend Leichen hergebracht und auf den Scheiterhaufen gekippt. [...] Auf diese Weise ging die Arbeit viel schneller voran, so dass täglich 1200 Leichen verbrannt werden konnten. So arbeiteten wir 36 Tage lang bis zu meiner Flucht. Über Nacht erlosch das Feuer gewöhnlich. Um 6.30 Uhr begann die Arbeit deshalb mit dem Anfachen des Feuers. [...] Eine weitere Gruppe verstreute die Asche der verbrannten Leichen auf dem Feld. Blieben auf dem Scheiterhaufen nicht verbrannte oder angekohlte Knochen zurück, wurden sie zerhauen und gesiebt, so wie bei der Herstellung von Mörtel Sand gesiebt wird, nur dass das Sieb feiner war. [...]

Beim Ausgraben der Leichen wurde uns befohlen, den Leichen Ringe und Uhren abzunehmen und ihnen die Goldzähne herauszubrechen. Alles wurde fein säuberlich sortiert und abends nach Beendigung der Arbeit den Deutschen übergeben. [...]

Wenn bei irgendeinem von uns die Kräfte schwanden und er nicht mehr arbeiten konnte, wurde er getötet und auf den Scheiterhaufen geworfen. Ich war dabei, als ein großer dunkelhaariger Jude, von dem gesagt wurde, er mache Musik, derart entkräftet war, dass er nicht einmal mehr die Gräber zuschütten konnte, aus denen die Leichen geholt worden waren, um sie zu verbrennen. Dies brachte Dr. Jung, der bei der Verbrennung anwesend war, dermaßen in Rage, dass er den Jungen packte und ihn auf den Scheiterhaufen stieß. Da sich der arme Teufel aber befreien und am Ende von der Schaufel herunterspringen konnte, befahl Jung dem Burschen, seinen Mantel auszuziehen und sich bäuchlings auf die Erde zu legen. Nachdem dieser das getan hatte, befahl Jung Feldwebel Stagemann, den Jungen zu töten, was dieser auch erledigte, indem er ihm einen Genickschuss verpasste. Gleich darauf wurde das Opfer auf die Schaufel gelegt und auf den Scheiterhaufen geworfen.

Da ich vermutete, dass uns die Deutschen nach vollendeter Arbeit alle erschießen würden, beschloss ich, gemeinsam mit Božidar Drčan, Radoslav Zečević und Zlativoje Jakovljević zu fliehen, was uns nach einiger Zeit auch gelang.

Da uns befohlen worden war, die zu verbrennenden Leichen zu zählen, weiß ich, dass in Jajinci 68 000 Leichen verbrannt worden sind. Unverbrannt blieben 1400 Leichen, in einem Grab 1200, in den anderen beiden je 100 Leichen.