Dok. 14-055
Ada Ovazza aus Cremona schildert Ende Dezember 1943 nach ihrer Verhaftung einer Freundin die Lebensbedingungen im Internierungslager Calvari di Chiavari

Liebe Frau Caligaris, unsere neue Adresse lautet: Konzentrationslager für

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Ada Ovazza (1905–1944) wurde mit ihrem Ehemann, dem Juristen Eugenio Vitale (1898–1945), ihren Söhnen Aldo (1932–1944) und Sergio (1926–ca. 1944) sowie ihrer Mutter am 10.12.1943 in Chiavenna (Cläven, Kleven) in der Provinz Sondrio in der Nähe der Schweizer Grenze verhaftet, im Gefängnis Varese, im Lager Calvari di Chiavari und im Gefängnis in Mailand inhaftiert, am 30.1.1944 wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo alle umkamen.

 

 

Liebe Frau Caligaris,

unsere neue Adresse lautet: Konzentrationslager für Zivilinternierte Calvari bei Chiavari, was Ihnen anzeigt, dass unsere Vorhaben auf schmerzliche Weise gescheitert sind, da wir all unser Hab und Gut verloren haben und meine Mutter außerdem – wer weiß wo – fern von uns weilt, den Mailänder Behörden überlassen. Sie können sich sicher vorstellen, wie wir uns fühlen, nun noch verschlechtert durch die neuen Lebensumstände, die sich von den gewohnten sehr unterscheiden. Wir befinden uns mit wenigen anderen Familien hier, arbeiten von früh bis spät und versuchen, unser Leben so erträglich wie möglich zu gestalten. Die Männer fällen Holz, holen Wasser und gehen allen anderen schweren Arbeiten nach. Wir Frauen hingegen putzen, waschen und versuchen mit dem Nichts, das uns zur Verfügung steht, etwas zu kochen. Mit Müh und Not bringen wir eine Suppe zustande, mit der wir, zusammen mit einem einzigen Laib Brot, den ganzen Tag auskommen müssen. Glücklicherweise ist es erlaubt, Geschenkpakete von gutherzigen Bekannten zu empfangen. Und auf diese verlasse ich mich wegen meiner Kinder, von denen man wirklich nicht behaupten kann, sie würden bei dieser Ernährung zunehmen. Ich leide ebenfalls darunter, aber mehr noch sorge ich mich um meine in Mailand festgehaltene Mutter. Dass Gott uns beistehe! Von allen hätte ich gern Nachricht und hoffe nur, dass es ihnen besser geht als uns.

Tausend und abertausend Grüße,

liebste Frau Caligaris.