Dok. 13-167
Der deutsche Gesandte Manfred von Killinger unterstreicht am 1. September 1941 die Judenfeindschaft der rumänischen Regierung

Ich kann mich der Stellungnahme des SS-Gruppenführers Heydrich nicht anschließen

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Manfred Freiherr von Killinger (1886–1944), Marineoffizier; 1920–1923 aktiv in der Organisation Consul, 1923–1928 Führer des Wiking-Bundes; 1928 SA- und NSDAP-Eintritt; 6.5.1933–28.2.1935 Reichskommissar Sachsens, Juni 1937 bis Febr. 1939 Konsul in San Francisco,Mai 1939 bis Juli 1940 Leiter der Personalabt. im AA, Juni 1940 bis Jan. 1941 Gesandter in der Slowakei, 1941–1944 Gesandter in Rumänien; nahm sich im Sept. 1944 das Leben.

 

Gustav Richter (1912–1997), Kaufmann; 1933 NSDAP- und SS-Eintritt; von März 1934 an beim SD, seit Aug. 1939 beim SDin Dijon; April bis Mai 1941, erneut vonOkt. 1941 an Berater für Judenfragen an der Deutschen Gesandtschaft Bukarest, Jan. bis Aug. 1944 Polizeiattaché; Sept. 1944 bis 1955 in sowjet. Kriegsgefangenschaft; 1982 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Telegramm an das Auswärtige Amt, Berlin


Ich kann mich der Stellungnahme des SS-Gruppenführers Heydrich nicht anschließen. Gerade das Vorgehen der Rumänen in den neubesetzten Ostgebieten beweist, daß von einer Judenfreundlichkeit keine Rede sein kann. Gegen Judenfreundlichkeit spricht u. a. besonders:

1.) Die Anstrengung der rumänischen Regierung, keine Juden aus der Ukraine nach Bessarabien hineinzulassen, da dies antijüdische Politik der Regierung benachteiligen würde.
2.) Wiederholte Versuche des Vizeministerpräsidenten, SS-Hauptsturmführer Richter baldmöglichst nach Rumänien zurückzuholen, da er dessen Tätigkeit hohe Bedeutung beimesse.

3.) Annahme der von dem Berater Richter vorgelegten Gesetzentwürfe durch die rumänische Regierung.
4.) Vergeltungsmaßnahmen der rumänischen Regierung gegen Juden, die der feindlichen Propaganda zur Behauptung verholfen haben, die Juden seien an den Grenzen Rumäniens unerhörter Verfolgung ausgesetzt.

5.) U.a. Erledigung von ca. 4000 Juden in Jassy.
6.) Die amerikanische Gesandtschaft sammelt Material über Vorgehen gegen Juden in Rumänien und gibt es weiter nach Amerika.
7.) Schärfste Erfassung aller Juden im Altreich für Zwangsarbeit in den neubesetzten Ostgebieten. Antonescu ließ hierfür ca. 6000 Juden zum Straßenbau einfangen. Ich habe den Eindruck, daß Heydrich niemanden mehr abstellen will und nach Begründungen sucht. Ich empfehle, sich besonders einmal der Judenfrage in Ungarn anzunehmen, die heute behaupten, daß die Rumänen durch ihre unmenschlichen Akte gegen die Juden bewiesen haben, daß sie kein Recht hätten auf Kulturland, wie es Siebenbürgen sei. Baldige Inmarschsetzung eines tüchtigen Juden- und Arisierungsberaters als Ersatz für Richter erforderlich. Von einer Anforderung dieses Beraters bei der Reichsführung der SS bitte ich abzusehen, um weitere Unannehmlichkeiten zu vermeiden.