Dok. 13-033
Maxi Widder aus Prešov, Slowakei, beschwert sich am 23. Mai 1941 darüber, dass die jüdischen Mitarbeiter ein gelbes Band tragen müssen

Sehr geehrter Herr Doktor! Vereinbarungsgemäß erlaube ich mir

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Maximiliana Widder aus Prešov hatte das enteignete Konfektionsgeschäft von Alexander Gerö (*1904) übernommen. Gerö lebte 1942 noch mit einer Ausnahmegenehmigung des Wirtschaftsministeriums in Prešov. Er hat nicht überlebt.

 

Dr. Gustáv Pongrácz; bis Nov. 1938 Polizeidirektor in Košice, von 1939 bis Mitte 1942 in gleicher Funktion in Prešov, von Juli 1942 an Chef des Kriminalamts in Bratislava.

 

Dr. Bruno Kolb, Jurist; Führer der Ortsgruppe Prešov der DP; Justizrat, im dortigen deutschen Konsulat.

Brief an unbekannten Empfänger

 

Sehr geehrter Herr Doktor!
Vereinbarungsgemäß erlaube ich mir, Ihnen die Abschrift der Beschwerde an das Oberste Verwaltungsgericht einzusenden, mit der Bitte um eine Intervention bezüglich Abänderung der Strafe. Das Gauamt, wie auch die Polizeidirektion hier, erhielten Ihre Zuschrift, doch nahm das erstgenannte Amt noch keine Stellung hierzu, während die Polizei mit der Eintreibung bis zur Erledigung abwartet. Ich bin ein Optimist und hoffe das Beste.
Heute wurden Razzien in den Geschäften durch Polizeiorgane durchgeführt und sämtliche jüdische Angestellte bestraft, die nicht das gelbe Band auch im Geschäft am Ärmel angenäht hatten. Das ist ein Novum, immerhin habe ich es als Nachteil für das Geschäft befunden, von unseren 12 Angestellten 6 mit dem gelben Band zu dekorieren, und lehnte dies energisch ab, mit dem Hinweis, daß arische Kunden unser Geschäft, das ja heute nicht mehr Eigentum der Juden, sondern Staatseigentum ist, boykottieren würden. Gerade diese 6 Angestellten sind 15–20 Jahre bei der Firma, für die ich gleich keinen arischen Ersatz finde, nach dem ich schon Umschau gehalten und Okresný úrad gebeten habe, mir event. frei werdende Kräfte zu melden. Der Chef des hiesigen Polizeiamtes, Dr. Pongrác, hat keine Einwendung gesehen und vorläufig verfügt, unser Geschäft nicht zu behelligen, immerhin kann er mir nichts Verbindliches zusichern. Ich muß berücksichtigen, daß der jüdische Verkäufer, der im Geschäft mit einem gelben Band bedienen soll, ein Minderwertigkeitsgefühl einem arischen Kunden gegenüber hätte, worunter nur der Umsatz leiden würde. Da wir die größte Firma in der Ost-Slowakei sind, deren Geschäftsgang ja mit vieler Mühe aufrechterhalten wird, nehme ich an, daß man bei uns eine Ausnahme machen könnte, allerdings würde man dies vornehmen nur auf Grund Befürwortung durch das Zentralwirtschaftsamt. Herr Dr. Kolb, den ich ebenfalls um Rat befragt habe, billigte meine Absicht, Ihnen dies zu melden und Sie um Ihre gefl. Fürsprache und eine kurze diesbezügliche Meldung an das hiesige Polizeiamt zu bitten. Falls ich ein offizielles Gesuch an das Zentralwirtschaftsamt in dieser Angelegenheit einbringen sollte, würde ich dies umgehend tun und bitte Sie nur, mich gefl. zu verständigen.
Indem ich Ihnen vielmals für all Ihre Bemühungen bestens danke, verbleibe ich mit Heil Hitler!