Dok. 13-010
Oskar Freimann schildert am 28. Februar 1939 der Familie Grünberger in den USA die Bemühungen der Familie, aus der Slowakei zu flüchten

Meine Lieben. Vor einer Woche haben wir Euere heiß ersehnte

  • Orte
  • Personen
  • Skript
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Dr. Oskar Freimann (*1902), Arzt; er wurde zusammen mit seiner Frau Marie Freimann (*1906), Hausfrau, und den Kindern Eva Freimann (*1931) und Peter Freimann (*1934) im Juni 1942 von Žilina in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Niemand von ihnen überlebte.

 

Milton Grünberger; Schwager von Oskar Freimann

Meine Lieben.
Vor einer Woche haben wir Euere heiß ersehnte Verständigung über unser Affidavit erhalten, und obzwar die Sache noch viele Monate dauern wird, vielleicht sogar über ein Jahr, freuen wir uns schon jetzt alle auf die Reise, und um endlich im Schatten Eurer Liberty frei atmen zu können. Eure Informationen sind insofern richtig, als politisch eine gewisse Windstille bei uns eingetreten ist, nichtsdestoweniger ist es der herrschenden Klasse in der kurzen Zeit gelungen, einen Teil der Juden aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten. Dies bezieht sich hauptsächlich auf uns Ärzte, Juristen und einen Teil der Beamtenschaft. Wie ich Euch bereits berichtet habe, bin ich aus den Krankenkassen der Staatsangestellten und Beamten gestrichen worden, und aus der Privatpraxis kann man, wie ich es bereits ersehe, nicht auskommen, so daß ich auch schon mein Auto verkauft habe und mir ein billiges Motorrad angeschafft habe, dessen Erhaltungskosten ganz geringe sind. Ich verhandle soeben wegen Verkauf unseres Hauses, Käufer wären genug, alle möchten es aber umsonst haben wollen, und ich werde auch gezwungen sein, mit Rücksicht auf die Verhältnisse, es tief unter dem Effektivwert zu veräußern.
[…]

Unsere Kinder bauen inzwischen Schiffe und hohe Häuser und fragen ständig, wo wir am Schiff schlafen und in welchem Stock wir wohnen werden, sie freuen sich schon sehr auf die Abenteuer und auf ihre neuen Spielkameraden, nur wissen sie nicht, wie sie dort sprechen werden. In der Beilage senden wir den Kindern ein Bild vom letzten Sommer, inzwischen sind sie ein wenig gewachsen.