Dok. 04-152
Gazeta Żydowska: Artikel vom 6. August 1940 über die Lage der Jüdischen Gemeinde in Auschwitz

Wenn man vom Ältestenrat der Jüdischen Gemeinde in

  • Chronologie
  • Orte
  • Personen
  • Stichworte
  • Skript
 
  • Dummy Pfeil Links
 
  • 1940
 
  • 1941
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Józef Gross war von Januar 1940 an Vorsitzender des Judenrats in Auschwitz. Im Frühjahr 1941 wurden die in der Stadt verbliebenen 5500 Juden nach Sosnowiec und Będzin deportiert.

Aus Auschwitz (Oświęcim)

 

Wenn man vom Ältestenrat der Jüdischen Gemeinde in Auschwitz spricht, kann man schwerlich über die Tätigkeit des Vorsitzenden Hrn. Józef Gross schweigen, der, kaum dass er die Leitung der Gemeinde übernommen hatte, innerhalb ziemlich kurzer Zeit eine Gesundung der Verhältnisse in der Gemeindeverwaltung herbeiführte und vor allem junge, fähige intellektuelle Mitarbeiter zur Arbeit in der Verwaltung heranzog. Er hat das Problem der körperlichen Zwangsarbeit der jüdischen Bevölkerung von Auschwitz gelöst. Die Tätigkeit von Hrn. Gross reicht weit über die Grenzen der Jüdischen Gemeinde in Auschwitz hinaus, denn er hat über 1000 jüdischen Flüchtlingen aus Bielsko-Biała den Aufenthalt in Auschwitz ermöglicht, indem er ihnen ein Dach über dem Kopf und warme Mahlzeiten gab. Dabei ist hervorzuheben, dass das dem Reich angegliederte Auschwitz zu den Städten im Reich gehört, in denen die meisten Juden leben, und darüber hinaus hat es heute einen recht hohen Anteil an jüdischen Flüchtlingen aus Oberschlesien und dem Gebiet um Cieszyn [zu verkraften], und diese Zahl nimmt von Tag zu Tag zu. Vor kurzem traf in Auschwitz ein weiterer Transport jüdischer Flüchtlinge aus Żywiec, Bielsko, Biała, Andrychów, Kęty, Dziedzice, Czechowice, Brzeszcze, Jawiszowice und Umgebung ein. Trotz seiner günstigen Lage ist Auschwitz keine Industriestadt, und seine unmittelbare Umgebung ist auch nicht ausgesprochen agrarisch. Vielmehr gingen die Juden von Auschwitz vor dem Krieg, und zwar zu fast 90 %, dem Hausiererhandel im nahen Oberschlesien nach. Heute sind diese Massen, die weder auf körperliche Arbeit vorbereitet sind, noch ein Handwerk oder einen anderen Beruf erlernt haben, zum Hungern verurteilt. Die Jüdische Gemeinde in Auschwitz steht deshalb vor der schwierigen Aufgabe, für die dichte jüdische Siedlung von Juden in Auschwitz Möglichkeiten einer wie auch immer gearteten, bescheidenen Existenz zu schaffen.

Die Tatkraft und das bisherige fruchtbare Wirken des Vorstands der Jüdischen Gemeinde in Auschwitz geben uns Grund zu der Annahme, dass diese Aufgabe in allernächster Zukunft erfüllt werden wird.

[...]