Dok. 02-257
Der Chef der Sicherheitspolizei Werner Best informiert am 1. März 1939 über die Pläne zur Erfassung von Juden zur Zwangsarbeit im Krieg

Es war die Vorfrage zu klären, in welchem Umfange die Juden zu

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Dr. Werner Best (1903–1989), Jurist; 1929 Gerichtsassessor in Hessen-Darmstadt; 1930 NSDAP und 1931 SS-Eintritt; 1933 Staatskommissar für die Polizei in Hessen, 1935 stellv. Chef der Gestapo,1939–1940 Chef des Amts I im Reichssicherheitshauptamt, 1940–1942 Chef des Verwaltungsstabs beim Militärbefehlshabern Frankreich, 1942–1945 Reichsbevollmächtigter in Dänemark; 1948 in Kopenhagen zum Tode verurteilt, 1951 amnestiert und entlassen; danach Rechtsanwalt und Rechtsberater der FDP Nordrhein-Westfalen; Autor u. a. von „Die deutsche Polizei“ (1940).

Vermerk (geheim)

[…]

Es war die Vorfrage zu klären, in welchem Umfange die Juden zu geeigneten Dienstleistungen heranzuziehen sind. Es bestand Einigkeit, daß ein besonderer Einsatz der jüdischen Frauen und Kinder in keinem Verhältnis zu dem erforderlichen Aufwand an Arbeitskräften (Überwachung) und Mitteln stehen würde. Arbeitsmäßig ist von dem Einsatz der jüdischen Frauen und Kinder kein Erfolg zu erwarten. Da die Juden in erster Linie für öffentliche Straßenarbeiten herangezogen werden sollen, muß für ihren Einsatz der Maßstab der Wehrtauglichkeit zugrunde gelegt werden. Entsprechend der Wehrerfassung der männlichen Bevölkerung im Alter von 18–55 Jahren in Ostpreußen erschien eine Altersbegrenzung von 18–55 Jahren angebracht. Bei einer Gesamtzahl von ca. 600 000 Juden muß man schätzungsweise mit 200 000 Juden, die für eine Dienstleistung im Kriege in Frage kommen, rechnen.

Wenn auch ein Arbeitseinsatz nur bei den wehrtauglichen 45–55jährigen Juden in Frage kommt, erscheint eine Beschränkung der Erfassung auf diese Jahrgänge der männlichen Juden nicht zweckmäßig. Eine besondere Gesamterfassung sämtlicher Juden unter dem Gesichtspunkt einer besonderen Verwendung im Kriege wurde allgemein für praktisch gehalten.

[…]

Sie dürften sich in erster Linie für eine Verwendung bei Straßenbauten und Beschaffung des hierfür erforderlichen Materials (Steinbrucharbeiten) eignen. Infolge des großzügigen Straßenbauprogrammes des Führers und der besonderen Inanspruchnahme des gesamten Straßennetzes im Kriege ist an eine Beschäftigung sämtlicher arbeitsfähigen Juden mit dieser Art von Arbeiten zu denken.

[…]

Von der Art ihrer Beschäftigung hängt wiederum die Frage ihrer Unterbringung ab.

[…]

Frage der Errichtung von Lagern:

Es ist sodann die Frage zu klären, wem die Errichtung der Lager zufällt, wieviele Lager und wo sie zu errichten sind, wie die Lager überwacht werden müssen.

[…]

Bei der Erfassung ist die Arbeitsdienstunfähigkeit zu prüfen. Die Prüfung erfolgt durch die Vorlage eines Attestes eines jüdischen Arztes. Die von den jüdischen Ärzten nicht arbeitsfähig geschriebenen Juden werden einer besonderen Nachuntersuchung unterzogen. Nach der Erfassung findet eine weitere ärztliche Untersuchung nicht mehr statt. Die endgültige Feststellung der Arbeitsfähigkeit erfolgt erst im Lager.

[…]