Dok. 02-272
Chaim Selzer aus Wien versucht am 14. April 1939, für seine Tochter einen Platz im Kindertransport nach England zu bekommen

Ich habe bei der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien meine Tochter

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Chaim Selzer (1886–1939), Betriebsorganisator; im Okt. 1939 ins KZ Buchenwald deportiert und dort im Dez. 1939 ermordet.

 

Vera Selzer (*1925), Schülerin; emigrierte im Juli 1939 nach London.

Schreiben an Movement for the Care of Children from Germany, London

 

Ich habe bei der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien meine Tochter Vera Selzer für England angemeldet, was gleichzeitig mein Bruder in London besorgte.

Da ich bis nun keine Erledigung erhielt, sagte man mir in der Kultusgemeinde, ich möge mich an Sie wenden, und auf eine Anfrage Ihrerseits direkt bei der Kultusgemeinde wird diese Ihnen die Bestätigung über die Dringlichkeit des Falles geben.

Vera Selzer, geboren am 3.3.1925 in Wien, Hauptschülerin, wie ich staatenlos und heimatlos, wohnt jetzt bei mir in Untermiete bei Hajek, Wien IX., Grüne Torgasse 14/3, da sie bei ihrer Mutter, von der ich seit 13 Jahren geschieden bin, nicht bleiben durfte. Die Mutter des Kindes ist geistesgestört, und es bestand Gefahr für das Kind. Ich selbst bin seit 15. Mai 1938 arbeitslos und seit 9. Oktober 1938 auch ohne Arbeitslosenunterstützung. Das ist der Sachverhalt, aus dem man sich ein Urteil bilden kann, unter welch misslichen Verhältnissen das Kind leiden muss.

Ich bitte Sie, sich des Falles anzunehmen und das Nötige zu veranlassen bzw. mir mitzuteilen, was ich unternehmen soll, damit ich das Kind in menschenwürdigen Verhältnissen unterbringen kann.

Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen und empfehle mich hochachtungsvoll