Dok. 03-267
Der Generaldirektor von Villeroy & Boch bekundet am 26. Januar 1940 sein Interesse an zwei jüdischen Malzfabriken in Olmütz

Betrifft: Arisierung von Malzfabriken
Wieder nach Dresden zurückgekehrt, erlaube

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Dr. Luitwin v. Boch-Galhau (1906–1988), Ingenieur, von 1932 an Generaldirektor und Hauptgesellschafter der Firma Villeroy & Boch, Ehrenbürger von Mettlach a.d. Saar.

 

Marius Molsen (1899–1971), Jurist; von 1923 an Regierungsreferendar in Schleswig, seit 1926 im Landratsamt Wetzlar; 1933 NSDAP-Eintritt; von 1933 an Regierungsrat im Polizeipräsidium Stettin, 1933–1935 OB von Stettin, von 1939 an Oberlandrat in Olmütz, 1943 Ministerialrat im Reichsministerium des Innern; lebte nach 1945 in Flensburg.

 

Michael Roscher, 1932 Vorstand der Villeroy & Boch AG in Dresden, nach Auflösung der AG in Dresden 1935 Direktor der Generaldirektion in Mettlach; trat 1954 in den Ruhestand. Die Generaldirektion wurde 1939 erneut nach Dresden und im Juli 1940 wieder nach Mettlach zurückverlegt.

 

Georg Freiherr von Zedlitz und Leipe (1891–1966); Gutsbesitzer in Schlesien; lebte nach dem Krieg in Wiesbaden.

Schreiben von v. Boch-Galhau an den Oberlandrat zu Olmütz, Protektorat Böhmen und Mähren

 

Betr.: Arisierung von Malzfabriken

Wieder nach Dresden zurückgekehrt, erlaube ich mir, meinen verbindlichsten Dank abzustatten für die ausführliche Unterredung, welche zu führen Sie mir und Herrn Roscher Gelegenheit gegeben haben.

Ich erkläre hierdurch auch schriftlich, daß ich mich als alleiniger persönlich haftender Gesellschafter der Familiengesellschaft Villeroy & Boch für den Erwerb der in der Arisierung begriffenen

Malzfabrik Hermann Brach in Olmütz

und Malzfabrik Ed. Hamburger & Sohn in Olmütz

interessiere.

Da für die beiden Unternehmungen die Buchführungsberichte noch nicht vorliegen, haben wir vorgeschlagen, die Erstattung dieser Buchprüfungsberichte abzuwarten, sie dann den ernstlichen Interessenten für den Erwerb dieser beiden Fabriken zu übermitteln und die Interessenten zu einer Angebotsabgabe aufzufordern. Ich danke Ihnen verbindlichst, daß Sie diesen Vorschlag angenommen haben, weil wir auf diese Weise Gelegenheit haben, alle Einzelheiten in den zum Teil sehr schwierigen Fragen, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit dem Erwerb solch bedeutender Unternehmungen zusammenhängen, eingehend zu prüfen. Ich sehe den Buchprüfungsberichten nach deren Vorliegen bei Ihnen gern entgegen.

Wie ich bereits persönlich darlegte, interessiere ich mich in erster Linie für die Malzfabrik Hermann Brach. In dieser Fabrik sind zwar die Baulichkeiten nicht besonders gut, und auch die Anordnung der Bauten läßt zu wünschen übrig, weil ersichtlich ist, daß die Bauten nach und nach durch Vergrößerung des Betriebes entstanden, wodurch die Einhaltung einer Zielklarheit, wie man sie bei der Neuerrichtung von Fabriken ins Auge fassen würde, unmöglich gemacht wurde. Die Fabrik Brach verfügt aber über neuzeitliche Verarbeitungsmaschinen und über gute Transportmittel in Form von Becherwerken, Elevatoren und Schnecken, so daß nach meiner Ansicht im Betriebe Brach ein rationelleres Arbeiten möglich sein wird.

In der Malzfabrik Hamburger & Sohn ist nach meinen Eindrücken der bauliche Zustand ein besserer und das Organische in der Anlage besser gewahrt, aber dafür sind die Maschinen weniger neuzeitlich und leistungsfähig und die Transporteinrichtungen bei weitem nicht so vollkommen wie in der Fabrik Brach.

Ich habe Ihnen eingehend die Gründe geschildert, die das auf den ersten Blick gewiß befremdlich erscheinende Interesse meiner Firma für den Erwerb einer Malzfabrik verständlich machen. Ein Gesellschafter unserer Firma (Familienmitglied), Freiherr Georg von Zedlitz und Leipe in Prinsnig Post, Groß Tinz bei Liegnitz, hat außerdem maßgebliche Brauerei-Interessen und verfügt sowohl über eine entsprechende Ausbildung wie auch über entsprechende Kenntnisse im Brau- und Malzfach, und da Baron Zedlitz die Aufsicht über eine von uns erworbene Olmützer Malzfabrik übertragen würde, wären somit auch die Voraussetzungen für eine nicht nur unternehmerisch richtige, sondern auch fachlich einwandfreie Führung dieser Fabrik gegeben.

Bei unserer Erwerbsabsicht verfolgen wir eine Daueranlage und nicht nur eine vorübergehende Kapitalanlage, keineswegs aber eine Spekulation. Ausreichende Eigenmittel sowohl für den Erwerb einer solchen Fabrik als auch für allfällig erforderlich werdende Investitionen sowie ferner für die Finanzierung des Gersteneinkaufes, der Malzlagerung und des Verkaufsgeschäftes sind vorhanden. Daß eine Fabrik im Protektorat von unserer Firma sowohl unter nationalen als auch volkspolitischen Gesichtspunkten des Reiches geführt würde, halten wir für eine selbstverständliche nationale Pflicht.

Ich erwarte gern weitere Nachrichten.

Heil Hitler!