Es liegt am überdimensionierten Geschehen und an der Brutalität der Thematik, aber auch an der Masse des im Laufe von Jahrzehnten Dargestellten und Erzählten, dass immer wieder neue Anläufe unternommen werden müssen, den Holocaust bzw. die Shoah zu überliefern. Die Totalität der Verfolgung überfordert jede Narration und verweist auf ihre Begrenzungen. Auf der Grundlage und der Struktur der Edition ‚Judenverfolgung’ sollte – so die Ausgangsüberlegungen in der Redaktion Hörspiel und Medienkunst des Bayerischen Rundfunks – eine vielstimmige Höredition entstehen. Die Idee der Vielstimmigkeit lag nahe und schien von Anfang an der multiperspektivischen Erzählweise zu entsprechen.

Verschiedene konzeptuelle Produktionsansätze wurden diskutiert und erprobt. Aus diversen experimentellen Sprachaufnahmen schälte sich eine äußerst puristische Konzeption heraus, die schließlich auch zu dem Titel Die Quellen sprechen führte. Was von den vielen Experimenten blieb, waren die überzeugenden Aufnahmen mit Zeitzeugen und die Entscheidung, einen großen Teil der Dokumente mit nur zwei Schauspieler/-innen pro Staffel aufzuzeichnen. Jenseits von Fiktion, jenseits von Kunst geht es bis zum Abschluss des Projekts um die Frage, im Zeitraum von etwa fünf Jahren ein dokumentarisches Großformat zu realisieren – im Wissen, dass auch die größte und wissenschaftlich begleitete Höredition mit Hunderten gesprochener Quellen an ihre Darstellungsgrenzen stößt und die Shoah nicht-erzählbar bleibt.