Dok. 12-319
Die Widerstandsorganisation Armée Juive in Nizza stellt im Dezember 1943 ihre Situation seit September dar

September 1943: Als die Katastrophe

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Henry Pohoryles (*1920); Herbst 1943 bis Juli 1944 Leiter der Armée Juive in der Region Nizza, im Juli 1944 zusammen mit Mitgliedern der Westerweel-Gruppe in Paris verhaftet, zunächst im Gefängnis in Fresnes, dann im Lager von Drancy festgehalten, am 17.8.1944 deportiert; während der Fahrt gelang ihm zusammen mit Kameraden die Flucht aus dem Zug.

 

Jankiel Waintrob, genannt Jacques Wister; bis Herbst 1943 Leiter der zionistischen Jugendbewegung in Nizza und führendes Mitglied der Armée Juive, organisierte Fluchtrouten in die Schweiz und Verstecke für Kinder und Erwachsene nach Beginn der Brunner-Aktion in Nizza; wurde im Okt. 1943 ermordet.

Bericht, gez. Henri und H. P. [Henry Pohorylès], undat.

 

Armand – Nizza

Anfang September 1943 bis Anfang Dezember 1943

September 1943: Als die Katastrophe in Nizza ausbrach (10. September 1943), hatte Armand sich gerade erst organisiert. Abgeschlossene Ausbildungen zu diesem Zeitpunkt im September 1943: 2

Während des Sturms wird der Kontakt ununterbrochen gehalten, aber einige Armands müssen sich in Sicherheit bringen, kurz: keinerlei Aktion möglich.

Grund für die Schwäche von Armand zwischen September und Oktober 1943 in Nizza.

Obwohl Armand gegen gewisse wohlbekannte Spitzel hätte eingreifen müssen, konnte er dies nicht wegen

a) mangelnder Ausbildung

b) Waffenmangel

c) zu wenig Leuten

d) Armands, die sich mit Familienangehörigen verstecken: Familienangehörige stellen immer eine gewisse Behinderung für einen Armand dar

e) die übrigen Armands waren mit sozialen Aufgaben, Sammeln von Informationen und anderem überlastet …

Gegenmaßnahmen seit Mitte Oktober:

1) neue Männer engagiert

2) Waffenkauf (siehe Anhang)

3) jeden Samstagmorgen Übungen auf unterschiedlichem Terrain und Schießübungen. Übungen in der Stadt auf simulierte Zielobjekte.

Nachrichtendienst:

Ein aktiver Nachrichtendienst funktioniert. Alle Armands sammeln in ihren Stellungen Informationen, die zusammengetragen werden. Auch Personenbeschattungen in Zusammenarbeit mit dem Widerstand.

Aktuelle Zielobjekte:

Der ehemalige Polizeiinspektor Boina, der zwei Chefs des Widerstands verraten hat, die uns sehr geholfen haben (Zielobjekt allgemeiner Wichtigkeit). Die notorische und hochgehandelte Informantin Merry Seidlitz (speziell jüdisches Zielobjekt).

Langfristiges Zielobjekt:

Alice, Gestapo-Agentin, spezialisiert auf Judenjagd und wahrscheinlich verantwortlich für die Verhaftung von Herrn Jacques Wister.

Aktuelle Schwachstellen:

Absolute Geheimhaltung, aber die Armands sind auf sozialer Ebene noch zu aktiv, obwohl die Arbeit als Armand vollkommene Autonomie verlangen würde.

Die Frage werden wir nach meiner Rückkehr klären. Oft auch ein zu sentimentaler Zionismus. Armand muss ergänzt werden um automatische Waffen mit großer Schussleistung.

Verbindung mit dem Widerstand:

a) Verbindung existiert mit den jüdischen FTP [Francs-Tireurs et Partisans] – einen Moment lang haben wir einen gemeinsamen Ausbilder in Erwägung gezogen – letztendlich ist uns ihre schwache Position in Nizza klar geworden. Verbindung wird beibehalten, aber ziemlich locker.

b) Gaullisten: Kontakt in Nizza mit dem Widerstandsrat, der über keinen Stoßtrupp verfügt. Wir tun unser Möglichstes, um „Combat“ neu zu formieren.

Einziges Ergebnis: Sie fertigen einige Papiere an. Sie würden uns wahrscheinlich auch ein oder zwei Maschinenpistolen leihen.

Kurz vor meiner Abreise verhandelten wir über die Aufteilung von per Fallschirm abgeworfenen Waffen, die wir gemeinsam einsammeln sollten. Viel Lärm um wenig Positives.

Kontakt in Marseille mit „Combat“, mit dem Rest: [Er] beschafft uns Waffen.

Schlussfolgerung: Ohne sich zu optimistisch zu geben, kann man für Nizza sagen, dass der Armand die einzige richtige Kampfgruppe vor Ort ist. Die Männer sind entschlossen und werden zur Tat schreiten.

Henri

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