Dok. 12-250
Das Außenkommando der Sicherheitspolizei im französischen Vierzon meldet am 30. Juli 1942, dass Tausende von Juden in die unbesetzte Zone fliehen

Massenflucht von Juden nach dem

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  • 1942
 
  • 1943

Wilhelm (Willy) Bauer (*1912), Bierbrauer; Leiter des Außenkommandos der Sipo (Sicherheitspolizei) und des SD in Vierzon, danach im Judenreferat des KdS (Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes) in Marseille tätig; beteiligte sich nach der alliierten Landung in Südfrankreich am 15.8.1944 an einer Erschießungsaktion gegen franz. Widerstandskämpfer in Cannes.

 

Dr. Helmut Knochen (1910–2003), Anglist; 1932 NSDAP-, 1936 SS-Eintritt, 1932–1936 SA; von 1936 an hauptamtl. Mitarbeiter des SD, 1940–1942 Leiter der Pariser Dienststelle des Beauftragten des CdS (Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes) für Belgien und Frankreich, Mai 1942 bis Aug. 1944 BdS (Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes) in Frankreich, 1944 Waffen-SS; 1945 verhaftet, 1954 in Paris zum Tode verurteilt, begnadigt und 1962 entlassen, danach Versicherungsmakler in Offenbach.

Fernschreiben, gez. SS-Hauptscharführer Wilhelm Bauer, an den Befh d. Sipo u. d. SDMA [Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes] Helmut Knochen, Paris

 

Betr.: Massenflucht von Juden nach dem unbesetzten Gebiet Frankreichs

Nach entsprechendem Bericht an das Sicherheitspolizei-Kommando Orleans wird gemeldet, daß in den letzten 8 Tagen eine Massenflucht von Juden aus Holland, Belgien und Paris nach dem unbesetzten französischen Gebiet eingesetzt hat. Die Juden führen fast ausnahmslos neuausgestellte Identitätskarten mit sich, auf welchen sie als Juden nicht kenntlich sind. Innerhalb von 3 Tagen wurden beispielsweise am Bahnhof Vierzon durch die hiesige Dienststelle etwa 70 Juden festgenommen. Die übrigen Grenzbahnhöfe können aus Personalmangel von hier nicht kontrolliert werden. Es sind jedoch Meldungen von der Feldgendarmerie und Zolldienststellen hier, daß sich Tausende von Juden illegal in das unbesetzte Gebiet begeben. Alle bisher durchgeführten Razzien waren in dieser Hinsicht erfolgreich; als Schlepper und mit der Beschaffung von falschen Ausweisen befassen sich zahlreiche Stellen in Den Haag, Brüssel und Paris. Die Festnahmeaktion am Bahnhof Vierzon hat sich durchgesprochen, weshalb hier bereits die Judenflucht nachgelassen hat. Dagegen verteilen sich die Juden nun auf andere Grenzbahnhöfe. Es wird daher dringend gebeten, alle an Grenzbahnhöfen ankommenden Personen vor allem am kommenden Samstag und Sonntag durch besondere Kommandos der Sicherheitspolizei kontrollieren zu lassen. Die Überwachung des dem Außenkommando Vierzon zugeteilten Grenzstreifens von 80 klm ist aus Personalmangel nicht möglich.