Dok. 12-029
Halldis Neegård Østbye, eine Politikerin der norwegischen Nasjonal Samling fordert am 7. Oktober 1942 in einem Schreiben an Ministerpräsident Vidkun Quisling die Einführung von Maßnahmen gegen Juden

solange man nicht weiß, wer Jude

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  • 1942
 
  • 1943

Halldis Neegard Ostbye (1898–1980), Journalistin; 1933 Eintritt in die Nasjonal Samling als eine der ersten Frauen, gehörte bald zum engen Kreis um Quisling, 1934 Propagandaleiterin der Frauenorganisation, 1935–1940 Leiterin des Presse- und Propagandabüros der Partei, von 1937 an des Parteiorgans Fritt Folk (Freies Volk); 1948 durch ein norweg. Gericht zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt, zunächst geflohen, kehrte sie nach Norwegen zurück und verbüßte einen Teil der Strafe.

 

Vidkun Quisling (1887–1945), Berufsoffizier; 1931–1933 Verteidigungsminister; gründete 1933 die Nasjonal Samling, befürwortete die deutsche Besetzung Norwegens und proklamierte sich zum Regierungschef, den die Besatzer jedoch nicht anerkannten; von Febr. 1942 an Ministerpräsident der norweg. Kollaborationsregierung; durch ein norweg. Gericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

Sigfried Nylander (*1891); 1917 Emigration von Schweden nach Norwegen; 1934 Eintritt in die Nasjonal Samling, Leiter des parteieigenen Statistikbüros, er entwarf den Fragebogen für Juden in Norwegen.

 

Jon Alfred Hansen Mjøen (1860–1939), Apotheker; verheiratet mit einer Deutschen; von 1914 an betrieb er eine Apotheke in Oslo; Autor u. a. von: Det norske program for rasehygiene, o. O. 1932.

Betr. Die Judenfrage

[…]

solange man nicht weiß, wer Jude ist, hängen alle Bestimmungen mehr oder weniger in der Luft. Ich erlaube mir daher vorzuschlagen, dass alles daran gesetzt wird, das große Judenregister voranzutreiben, an dem das Statistikbüro der NS mit k.f. [Ressortleiter] Nylander seit diesem Frühjahr arbeitet.

Hinsichtlich der 1/4-Juden lautete Dr. Mjøens Vorschlag seinerzeit, dass individuell entschieden werden solle. Wer eine arische Mentalität erkennen lasse, solle zum Arier erklärt werden, wer eine jüdische Mentalität erkennen lasse, zum Juden. Persönlich möchte ich anmerken, dass Zweifelsfälle vermutlich dem Judentum zugeschlagen werden sollten.

Etwas komplizierter wird es, wenn es um Ehen und Nachkommen in Verbindung mit 1/4-Juden geht, aber das wird ja eine Frage für Rassenbiologen sein.

Könnte man sich aber nicht Folgendes vorstellen, dass man in allen Zweifelsfällen den Betreffenden selbst entscheiden lässt: entweder Sterilisation oder zum Juden erklärt zu werden? In jenen Fällen also, wo der Betreffende noch keine jüdischen Kinder oder Kinder mit so schwachem Einschlag hat, dass sie nicht unter die Ariergesetze fallen? Binnen einer Generation oder zwei würde sich dieses Problem von allein lösen.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die letztendliche Regelung der Judenprobleme ohne Sentimentalität durchgeführt werden muss, wenn es darum geht, unser Volk und Europa gegen einen neuen jüdischen Vorstoß zu schützen. Aber ein gewisses Maß an Menschlichkeit sollte bewiesen werden, solange dies ohne Schaden für unser Volk möglich ist. So haben wir beispielsweise hier in Lillevann zwei jüdische Brüder. Der eine war, soweit ich das mitbekommen habe, in allen Jahren ein mustergültiges Mitglied der Gesellschaft, überdies ganz klar antikommunistisch, antienglisch und anti-die-alte-Regierung, und das, seit ich ihn kenne (10-12 Jahre). Er ist mit einer Schwedin verheiratet, eine der vorzüglichsten Vollblutarierinnen, die ich je kennengelernt habe. Sie können selbst keine Kinder bekommen und haben zwei arische Kinder angenommen. Es muss eingeräumt werden, dass es unmenschlich wäre, diese Familie ins Unglück zu schicken, und ganz überflüssig. Sein Bruder hingegen ist […] ein gewöhnlicher Kramjude, verheiratet mit einer Jüdin und hat 3–4 freche Judenkinder, die die anderen Kinder hier oben mit ihrem Hass auf die NS und die Deutschen vergiftet haben.

Ich erwähne dieses Beispiel, um zu zeigen, wie wichtig es ist, dass man ein gewisses Maß an individueller Entscheidungsmöglichkeit einräumt.

Ich glaube auch, dass es für uns als Nation von Nutzen wäre, eine norwegische Linie zu verfolgen. Wie die Juden in Russland behandelt werden, ist teilweise so, dass sich meiner Meinung nach die nordische Rasse dadurch selbst erniedrigt. Man kann durchaus die unerhörte Verbitterung verstehen, die Soldaten befallen kann, wenn sie Opfer des jüdischen Sadismus sehen, und dass sie Lust bekommen, Juden zu Tode zu quälen. Das aber zu tun, halte ich für unarisch. Die alten Wikinger waren sicher keine Chorknaben, es ist ohne Zweifel oft vorgekommen, dass sie ihren Opfern die Augen ausstachen, sie misshandelten und verstümmelten. Aber ich glaube, es wäre ein großer Gewinn, wenn die NS es zu den germanischen oder vielleicht eher den nordischen Tugenden zählen würde, dass man einen geschlagenen Feind nicht misshandeln soll, sondern ihn, wenn nötig, schnell und gnadenlos erschießt. Das ist das Gleiche wie bei Tieren. Sie sollen schnell und schmerzlos getötet und nicht grausam gefoltert werden. Das sollte wohl auch für Juden gelten.

Ich finde es auch nicht richtig, dass junge SS-Männer – Männer nordischen Blutes – als Henker benutzt werden, um jüdische Frauen, Kinder und Greise zu erschießen. Das sollte man den Russen oder einem asiatischen Menschenschlag überlassen, die liebend gern Rache an ihren Plagegeistern üben werden. Dass vielleicht auch norwegische Jungs für solche Henkerdienste benutzt werden, finde ich furchtbar. Danach können sie unmöglich wieder normale Menschen werden. Der Krieg ist auch ohne solche Schrecken brutal genug.

Wenn ich mir erlaubt habe, diese Ansichten zu unterbreiten, dann deshalb, weil es – mit Ausnahme des Ministerpräsidenten – in der Bewegung niemanden gibt, der sich mit der Judenfrage so eingehend befasst hat wie ich, und weil ich mehr mit Propaganda gearbeitet habe als sonst jemand in der NS.

Heil og Sæl