Dok. 09-296
Hugo Steinhaus schreibt am 23. Februar 1945 von überlebenden Juden aus dem Lager Auschwitz

Vorgestern war Dolek beim „Mütterchen” Butter holen und traf

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Hugo Dionizy Steinhaus (1887–1972), Mathematiker; 1906–1911 Studium in Göttingen, 1917 Habilitation an der Universität Lemberg, einer der Begründer der Lemberger mathematischen Schule; im Sommer 1941 tauchte er unter und lebte unter falschem Namen zunächst in Osiczyna, dann in Berdechów bei Bobowa (Kreis Gorlice im Distrikt Krakau), arbeitete als Lehrer im geheimen Schulwesen; seit 1945 Prof. für Mathematik in Breslau.

 

Der Schwager des Verfassers: Adolf (Dolek) Szmosz (*1900), Ingenieur; vor Sept. 1939 im Hüttenwerk Zgoda in Świętochłowice bei Kattowitz tätig.

Tagebuch

23.2.45. Vorgestern war Dolek beim „Mütterchen“ Butter holen und traf dort einige aus Auschwitz zurückgekehrte Juden. Wir haben ihnen ein Dutzend Eier geschickt. Sie berichteten von der Gaskammer, aus der einer von ihnen, ein 15-jähriger Junge, in letzter Minute von einem SS-Mann hinausgejagt wurde. Sie waren auf dem Weg in die Slowakei; sie sind aus einem Transport von 80.000 Menschen geflohen, dem ersten, der nach Gleiwitz getrieben wurde; sie blieben im Wald verborgen, bis sie von der sowjetischen Offensive eingeholt wurden. Sie haben nach Sibirien abtransportierte Gestapoleute gesehen. Ein Jude ist auf den Waggon aufgesprungen und hat einen dieser Schurken geohrfeigt. Dieser rief: „Du schlägst mich, einen Unbewaffneten?“ Darauf der Jude: „Und hatte ich etwa Waffen, als du mich geschlagen hast?“ […]