Dok. 07-223
Jüdische Jugendliche rufen am 1. Januar 1942 zur Gründung einer bewaffneten Widerstandsgruppe im Wilnaer Getto auf

Ponar heißt Tod! Jüdische Jugend, glaubt den

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  • 1942

Abba Kovner (1918–1987), Schriftsteller; Haschomer-Hazair-Mitglied, 1942 Leiter der Untergrundgruppe FPO (Vereinigte Partisanenorganisation) im Getto Wilna, 1944 Gründungsmitglied der Untergrundbewegung Beriha, die die Flucht der osteuropäischen Juden nach Palästina organisierte; 1945 in brit. Haft, später Soldat im israel. Unabhängigkeitskrieg. 

Aufruf, ungez., verfasst von Abba Kovner

 

Ponar heist Tod!

Jüdische Jugend, glaubt den Verführern nicht! Lassen wir uns nicht abschlachten wie Schafe! Von den achtzigtausend Juden im Jerusalem Litauens sind nur zwanzigtausend [übrig] geblieben. Vor unseren Augen hat man uns die Eltern, Brüder und Schwestern entrissen. Wo sind die Männer, die Polizeihäscher zu Hunderten zum Arbeiten einfingen? Wo sind die nackten Frauen und Kinder, die in der schauerlichen Nacht der Provokation hinausgetrieben wurden? Wo sind die Juden von der Aktion an Jom Kippur? Wo sind unsere Brüder aus dem zweiten Getto?

Seht ein: Wer durch das Gettotor hinausgeführt wurde, der kommt nicht mehr zurück, denn alle Wege der Gestapo führen nach Ponar, und Ponar – heißt Tod. Reißt euch die Illusion heraus, ihr Verzweifelten! Eure Kinder, Männer und Frauen sind nicht mehr am Leben. Ponar ist kein Lager. Man hat sie allesamt erschossen. Dieses Verfahren hat Hitler für alle Juden Europas geplant. [Jetzt] ist die Reihe an uns. Lassen wir uns nicht abschlachten wie Schafe! Ja, wir sind schwach und hilflos, aber die einzige Antwort an unsere Feinde lautet – Widerstand! Brüder! Besser als freie Kämpfer fallen, als von der Gnade der Mörder abhängen! Wehren wir uns bis zum letzten Atemzug!