Dok. 07-099
Oberst Erwin Stolze schildert am 23. Oktober 1941 den Massenmord an Juden in der Ukraine und erwähnt den Kenntnisstand ausländischer Journalisten

Auf Befehl werden die Juden

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  • 1942

Erwin Stolze (1891–1952), Berufsoffizier; bis Juni 1944 Abt. II im Amt Ausland/Abwehr des OKW (Oberkommandos der Wehrmacht) (Stellv. Erwin von Lahousens); im Mai 1945 in Berlin verhaftet, 1952 in der Sowjetunion zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

Dr. Dr. Hans Koch (1894–1959), Kirchenhistoriker; aufgewachsen in Lemberg, 1918 im Generalstab der ukr.-galiz. Armee, Okt. 1937 bis 1939 Leiter des Osteuropa-Instituts in Breslau, 1939–1945 Offizier der Abwehr, Juni bis Okt. 1941 Verbindungsoffizier des RMfbO (Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete) bei der Heeresgruppe Süd; 1952 Gründungsdirektor des Ostinstituts in München.

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Juden

Auf Befehl werden die Juden „umgesiedelt“. Es geschieht dies in der Weise, daß die Juden ganz kurzfristig den Befehl bekommen, sich in der folgenden Nacht mit ihren besten Kleidungsstücken und ihrem Schmuck an festgesetzten Sammelorten einzufinden. Es wird zwischen Ständen, Geschlecht und Alter keinerlei Unterschied gemacht. Von dem Sammelplatz werden sie dann an einen außerhalb des betreffenden Ortes liegenden, vorher ausgesuchten und vorbereiteten Platz gebracht. Hier müssen sie unter dem Vorwand, daß gewisse Formalitäten noch zu erfüllen seien, ihren Schmuck und ihre Kleidungsstücke ablegen. Sie werden abseits der Straße geführt und liquidiert. Die sich hierbei entwickelnden Situationen sind so erschütternd, daß sie nicht beschrieben werden können. Die Folgen auf die deutschen Kommandos sind unausbleiblich. Im allgemeinen kann die Exekution nur unter Betäubung durch Alkohol durchgeführt werden. Ein als Zuschauer befohlener SD [Sicherheitsdienst]-Offizier hatte nach seiner Schilderung in der folgenden Nacht Angstträume fürchterlichster Art durchzustehen. Die einheimische Bevölkerung nimmt die ihr durchaus bekannten Vorgänge dieser Liquidierungen mit Ruhe, teilweise Genugtuung und unter Beteiligung der ukrainischen Miliz auf. Ausländische Journalisten, die Kiew wegen der bolschewistischen Zerstörungen besichtigten, haben den Hptm. [Hauptmann] Koch,dem es mit vieler Mühe gelungen war, ihnen die Tatsache der Judenerschießungen zu verheimlichen, gegenüber geäußert, daß sie hierüber doch genau Bescheid wüßten.

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