Dok. 07-015
Heydrich erläutert den Höheren SS- und Polizeiführern am 2. Juli 1941 ihre Aufgaben in der Sowjetunion

Nachdem der Chef der Ordnungspolizei die zum Einsatz Barbarossa

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Reinhard Heydrich (1904–1942), Berufsoffizier; 1922–1931 Marinelaufbahn; 1931 NSDAP- und SS-Eintritt, von 1932 an Chef des SD, 1933/34 leitete er die Zentralisierung der politischen Polizeien der Länder, von 1934 an Chef der zunächst nur für Preußen zuständigen Gestapo in Berlin, 1936–1942 Chef der Sicherheitspolizei und des SD, 1939–1942 Chef des RSHA (Reichssicherheitshauptamtes), von Sept. 1941 an zugleich stellv. Reichsprotektor von Böhmen und Mähren; infolge eines Attentats in Prag am 4.6.1942 gestorben.

 

Friedrich Jeckeln (1895–1946), Gutsverwalter; 1929 NSDAP-, 1930 SS-Eintritt, von 1932 an MdR (Mitglied des Reichstags); 1933 Chef der Landespolizei, der Gestapo und Kommandeur der Schutzpolizei in Braunschweig, seit Juni 1941 HSSPF (Höherer SS- und Polizeiführer) Russland-Süd, von Nov. 1941 an HSSPF Ostland und
Russland-Nord; 1945 an die Sowjetunion ausgeliefert, dort zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

Erich von dem Bach(-Zelewski) (1899–1972), Berufsoffizier; 1921–1924 Reichswehr; 1930 NSDAP-, 1931 SS-Eintritt; 1933–1936 Leiter der Stapostelle Königsberg, 1941 HSSPF (Höherer SS- und Polizeiführer) Russland-Mitte, 1942 „Bevollmächtigter des Reichsführers SS für Bandenbekämpfung“; 1945 verhaftet, 1951 zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt und in Hausarrest entlassen, 1961 vom Landgericht Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilt, 1972 Haftentlassung.

 

Hans-Adolf Prützmann (1901–1945), Landwirt; 1929 SA-, 1930 NSDAP- und SS-Eintritt, 1933 MdR (Mitglied des Reichstags); 1937–1941 HSSPF (Höherer SS- und Polizeiführer) Nordwest (Hamburg), Juni bis Okt. 1941 HSSPF Ostland und Russland-Nord, Okt. 1941 bis Juni 1944 HSSPF Russland-Süd (Ukraine); nahm sich in brit. Haft das Leben.

 

Gerret Korsemann (1895–1958), Soldat; 1926 NSDAP- und SA-Eintritt, 1939 SS-Eintritt; 1940/41 KdO (Kommandeur der Ordnungspolizei) Lublin, 1941/42 HSSPF (Höherer SS- und Polizeiführer) zur besonderen Verwendung, 1942 HSSPF Kaukasus; 1943/44 Waffen-SS; 1945 Auslieferung an Polen, 1949 in die Bundesrepublik entlassen.

 

Kurt Max Franz Daluege (1897–1946), Bauingenieur; 1922 NSDAP-Eintritt, gründete 1926 die SA Berlin und Norddeutschland, 1930 SS-Eintritt, von 1932 an Führer der SS-Gruppe Ost; 1933 Leiter der „Sonderabt. Daluege“ im PrMdI (Preußischen Ministerium des Innern), 1934–1936 der Polizeiabt. im RuPrMdI (Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern), 1936–1943 stellv. Chef der Deutschen Polizei, 1936–1945 CdO (Chef der Ordnungspolizei), Juni 1942 bis Juni 1943 stellv. Reichsprotektor für Böhmen und Mähren, 1943 beurlaubt; 1945 von den Briten verhaftet und an die Tschechoslowakei ausgeliefert, 1946 in Prag zum Tode verurteilt und hingerichtet. 

Schreiben (Geheime Reichssache), gez. Heydrich, an die Höheren SS- und Polizeiführer Jeckeln, v. d. Bach, Prützmann, Korsemann (Abschrift)

 

Nachdem der Chef der Ordnungspolizei die zum Einsatz Barbarossa befohlenen Höheren SS- und Polizeiführer zu Besprechungen nach Berlin eingeladen hatte, ohne mich hiervon rechtzeitig zu unterrichten, war ich leider nicht in der Lage, Sie ebenfalls mit den grundsätzlichen Weisungen für den Geschäftsbereich der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes zu versehen. In Nachstehendem gebe ich in gedrängter Form Kenntnis von den von mir den Einsatzgruppen und -kommandos der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes gegebenen wichtigsten Weisungen mit der Bitte, sich dieselben zu eigen zu machen.

Vorbemerkung:

Nahziel des Gesamteinsatzes ist die politische, d. h. im wesentlichsten die sicherheitspolizeiliche Befriedung der neu zu besetzenden Gebiete. Endziel ist die wirtschaftliche Befriedung. Wenn auch alle zu treffenden Maßnahmen schließlich auf das Endziel, auf welchem das Schwergewicht zu liegen hat, abzustellen sind, so sind sie doch im Hinblick auf die jahrzehntelang anhaltende bolschewistische Gestaltung des Landes mit rücksichtsloser Schärfe auf umfassendstem Gebiet durchzuführen. […]

1) Verhältnis zur Wehrmacht

Zur Vermeidung möglicher Unklarheiten im Hinblick auf den organisatorischen Einsatz und den sachlichen Aufgabenbereich der Einsatzgruppen und -kommandos der SP [Sicherheitspolizei] (Sicherheitsdienstes) im Rahmen des gesamten Osteinsatzes verweise ich nochmals auf die Befehle des OKH [Oberkommandos des Heeres] vom 26. III. 41.

2) Berichterstattung

Der RFSS [Reichsführer SS] und Chef der Deutschen Polizei muß laufend über alle Einsatzergebnisse der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes unterrichtet sein. […]

3) Fahndungsmaßnahmen

An Hand der vom Reichssicherheitshauptamt herausgegebenen Sonderfahndungsliste Ost haben die Ek [Einsatzkommandos] der Sipo [Sicherheitspolizei] und des SD [Sicherheitsdienstes] die erforderlichen Fahndungsmaßnahmen zu treffen. Da es naturgemäß nicht möglich war, alle gefährlichen Personen in der SU [Sowjetunion] zu erfassen, sind über diese Fahndungsliste hinaus alle diejenigen Fahndungs- und Exekutivmaßnahmen zu treffen, die zur politischen Befriedung der besetzten Gebiete erforderlich sind.

4) Exekutionen

Zu exekutieren sind alle

Funktionäre der Komintern (wie überhaupt die kommunistischen Berufspolitiker schlechthin),

die höheren, mittleren und radikalen unteren Funktionäre der Partei, der Zentralkomitees, der Gau- und Gebietskomitees,

Volkskommissare,

Juden in Partei- und Staatsstellungen,

sonstigen radikalen Elemente (Saboteure, Propagandeure, Heckenschützen, Attentäter, Hetzer usw.),

soweit sie nicht im Einzelfall nicht oder nicht mehr benötigt werden, um Auskünfte in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht zu geben, die für die weiteren sicherheitspolizeilichen Maßnahmen oder den wirtschaftlichen Wiederaufbau der besetzten Gebiete besonders wichtig sind. Insbesondere ist Bedacht zu nehmen, daß Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Handelsgremien nicht restlos liquidiert werden, so daß keine geeigneten Auskunftspersonen mehr vorhanden sind.

Den Selbstreinigungsversuchen antikommunistischer oder antijüdischer Kreise in den neu zu besetzenden Gebieten sind keine Hindernisse zu bereiten, sie sind im Gegenteil, allerdings spurenlos, zu fördern, ohne daß sich diese örtlichen „Selbstschutz“-Kreise später auf Anordnungen oder gegebene politische Zusicherungen berufen können. Da aus naheliegenden Gründen ein solches Vorgehen nur innerhalb der ersten Zeit der militärischen Besetzung möglich ist, haben die Einsatzgruppen der SP [Sicherheitspolizei] (SD [Sicherheitsdienstes]) möglichst im Benehmen mit den militärischen Dienststellen bestrebt zu sein, in den betreffenden neu besetzten Gebieten raschestens, wenigstens mit einem Vorkommando, einzurücken. Besonders sorgfältig ist bei Erschießungen von Ärzten und sonstigen in der Heilkunde tätigen Personen vorzugehen. Da auf dem Lande auf etwa 10 000 Einwohner an sich nur ein Arzt fällt, würde bei etwa auftretenden Epidemien durch die Erschießung von zahlreichen Ärzten ein kaum auszufüllendes Vakuum entstehen. Wenn im Einzelfalle eine Exekution erforderlich ist, ist sie selbstverständlich durchzuführen, doch muß eine genaue Überprüfung des Falles vorausgehen.

[…]