Dok. 07-008
Die Propagandaabteilung der Wehrmacht weist litauische Radiosender am 27. Juni 1941 an, die antisemitische Stoßrichtung der Besatzung zu betonen

Richtlinien für die Betreuung der Sender Kowno und Wilna. 1. Der Sender Kowno dient

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  • 1941

Richtlinien für die Betreuung der Sender Kowno und Wilna

1. Der Sender Kowno dient vornehmlich der Beeinflussung der Litauer (etwa die Hälfte der Sendungen) sowie für Sendungen in estnischer, lettischer und weiß-ruthenischer Sprache, die an die entsprechenden Bevölkerungen gerichtet sind. Ihm obliegt ferner die Bearbeitung der Sowjettruppen in russischer Sprache. Der Sender Wilna dient vorwiegend der Beeinflussung der Sowjet-Armee sowie der russischen Bevölkerung in russischer Sprache. Ferner sind Sendungen in lettischer und weiß-ruthenischer Sprache an die betreffenden Bevölkerungen zu richten.

2. Als Unterlagen für die inhaltliche Gestaltung aller Sendungen im großen gilt Ziffer 1 der Weisungen für die Handhabung der Propaganda im Fall Barbarossa. […]

3. Propaganda ins litauische Volk

a) Die Deutschen kommen als Befreier von den Juden und von Terror und Ausbeutung der Bolschewisten.

b) Aufruf an die Litauer zur Zusammenarbeit mit dem Großdeutschen Reich, das allein die Existenz der Bewohner Litauens zu schützen imstande ist.

c) Schneller wirtschaftlicher Wiederaufbau. Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiter und Bauern.

d) Kulturelle und religiöse Unabhängigkeit wird zugestanden.

e) Die Sicherung nach außen und im Innern ist nur unter deutscher Führung möglich.

f) Intensivierung antijüdischer Propaganda möglichst durch bekannte litauische Autoren.

g) Keine Andeutungen über eine künftige Selbständigkeit Litauens.

4. Propaganda in die Rote Armee

In russischer Sprache ist vor allem gegen die Behauptung Stellung zu nehmen, daß die Gefangenen von den Deutschen mißhandelt oder erschossen werden. Der deutsche Soldat kommt als Befreier von jüdisch-kommunistischer Willkür und wird jeden Kameraden von der Sowjet-Armee gut aufnehmen. Die Kommandeure und Soldaten der Sowjet-Armee zu gemeinsamem Überlaufen auffordern.

5. Propaganda in die benachbarte Bevölkerung

In den Sendungen in estnischer, lettischer und weiß-ruthenischer Sprache ist die bevorstehende Befreiung anzukünden und die Bevölkerung zur Verhinderung von Verwüstungen und von Unordnung aufzufordern. In Sendungen in russischer Sprache ist darauf hinzuweisen, daß die deutsche Wehrmacht nicht gegen die Völker der Sowjet-Union, sondern nur gegen den jüdisch-kommunistischen Terror kämpft.

6. Von beiden Sendern sind die Berichte des OKW [Oberkommandos der Wehrmacht] und Sondermeldungen zu verbreiten.