Dok. 05-285
Der Judenreferent der Deutschen Botschaft in Paris, Carltheo Zeitschel, schlägt am 8. Oktober 1941 die Abschiebung von Juden aus Konzentrationslagern im besetzten Frankreich vor

Gelegentlich des letzten Besuches von Botschafter Abetz im Hauptquartier

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  • 1942

Dr. Carltheo Zeitschel (1893–1945), Arzt; 1918/19 Mitglied Freikorps Reinhard; seit 1919 als Arzt tätig; 1923 NSDAP- und 1939 SS-Eintritt; 1935–1937 Referent im RMfVuP (Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda), 1937–1943 Referent im AA (Auswärtigen Amt), vom 18.6.1940 an beim Vertreter des AA beim MBF (Militärbefehlshaber in Frankreich) in Paris; im Nov. 1943 aus dem Reichsdienst entlassen; 1943–1945 Bevollmächtigter des Reichswohnungskommissars, Dienstsitz Paris; an einer Verwundung gestorben.

 

Theodor Dannecker (1913–1945), Kaufmann; 1932 NSDAP- und SS-Eintritt; von 1935 an beim SD, 1940–1942 Judenreferent des RSHA (Reichssicherheitshauptamtes) in Paris, 1942–1945 im Judenreferat des RSHA, Abordnungen nach Bulgarien, Italien und Ungarn; nahm sich in einem Internierungslager der US Army in Bad Tölz das Leben.

 

Otto Abetz (1903–1958), Zeichenlehrer; 1935 SS-, 1937 NSDAP-Eintritt; Okt. 1934 bis April 1940 Mitarbeiter der Dienststelle Ribbentrop, 1940–1945 AA (Auswärtiges Amt), Juni 1940 bis Dez. 1944 Vertreter des AA in Paris und Sigmaringen, am 15.8.1940 Ernennung zum Botschafter; am 22.7.1949 von einem franz. Militärtribunal zu
20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, 1954 begnadigt. 

Schreiben an den Beauftragten des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes für Belgien und Frankreich, z. Hd. SS-Obersturmführer Dannecker

 

Gelegentlich des letzten Besuches von Botschafter Abetz im Hauptquartier habe ich diesem die Ihnen bekannte Aufzeichnung mitgegeben, mit dem Vorschlag, unsere im Konzentrationslager befindlichen Juden wegen der Lagerknappheit möglichst bald nach dem Osten abzuschieben.

Botschafter Abetz hat auf Grund dieser Aufzeichnung mit dem Reichsführer SS persönlich Rücksprache genommen und von diesem zugesagt bekommen, daß die im KZ befindlichen Juden im besetzten Gebiet nach dem Osten abgeschoben werden können, sobald dies die Transportmittel zulassen.

Ich bitte also, nun Ihrerseits in dieser Richtung, in der es mir gelungen ist, die prinzipielle Einwilligung des Reichsführers zu erreichen, nicht locker zu lassen und alle paar Wochen einen Bericht nach Berlin loszulassen, mit der dringenden Bitte, baldmöglichst die Juden vom besetzten Frankreich abzuschieben.