Dok. 05-216
Gisela Kahn erläutert am 10. Oktober 1941 ihre Ausreisepläne und bittet darum, von der angekündigten Deportation nach Litzmannstadt ausgenommen zu werden

Unterzeichnete Gisela Kahn geb. Süsskind möchte Sie

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  • 1942

Gisela Kahn, geb. Süsskind (*1903); geb. in Lothringen, 1927 nach Luxemburg emigriert; am 28.7.1942 vom Lager Fünfbrunnen nach Theresienstadt, am 29.1.1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam.

 

Juliana Kahn (*1928); am 28.7.1942 mit ihrer Mutter nach Theresienstadt, von dort am 29.1.1943 nach Auschwitz deportiert, dort umgekommen.

 

Sigmund Süsskind (1870–1942); geb. in Lothringen; 1938 mit seiner Ehefrau nach Luxemburg geflohen; am 28.7.1942 vom Lager Fünfbrunnen nach Theresienstadt deportiert, dort umgekommen; Regina, auch Régine, Süsskind, geb. Hoffmann (*1874); geb. in Steinach/Saale, überlebte, kam 1945 nach Bamberg. 

Handschriftl. Brief an die Staatliche Sicherheitspolizei, Luxemburg

 

Unterzeichnete Gisela Kahn geb. Süsskind möchte Sie mit Folgendem bitten: Ich stehe vor der Auswanderung. Mein Bruder Sig. Süsskind, Cincinnati/Ohio (U.S.A.) Rockdale Avenue 353 hat vor einem Jahre für mich, mein Kind & unsere Eltern, die bei mir wohnen, Sigmund Süsskind & Frau, Bürgschaft hinterlegt, die sich im Konsulat von Marseille befindet. Da meine Eltern mehr wie 68 Jahre alt sind, hatten diese immer Beschwerden gegen eine Auswanderung & dadurch habe ich mich selbst & mein Kind geopfert & bin bei ihnen geblieben, um sie zu pflegen. Da eine mögliche Trennung bevorsteht, habe ich meine Eltern überreden können mit nach U.S.A. auszuwandern. Gestern habe ich meinem vorgenannten Bruder, der in sehr guten Vermögensverhältnissen lebt, gedrahtet, damit er das nötige veranlaßt, daß schnellstens die Auswanderung stattfindet. Ich selbst besitze in U.S.A. 3956 Dollarnoten bei der „The Capital Bank 1011 Huron Road“, wie aus meiner Vermögenserklärung bei Abt. IVa hervorgeht. Ich & mein Kind besitzen einen Luxemburger Pass. Der Gesundheitszustand meiner Eltern läßt eine alleinige Auswanderung nicht zu & diese ist überhaupt nur dann möglich, wenn wir von hier aus zusammen fahren können, deshalb bitte ich Sie höflichst: entweder mir & meinem Töchterchen so lange den Aufenthalt mit meinen Eltern in einem Altersheim zu gewähren oder uns die Erlaubnis zu geben, sofort mit meinen Eltern nach dem unbesetzten Teil Frankreichs zu gehen, um dort die endgültige Auswanderung nach U.S.A. abzuwarten.

Da dieses wirklich den Tatsachen entspricht, hoffe ich, daß meine Bitte genehmigt wird.

Hochachtungsvoll