Dok. 05-073
In den Niederlanden teilt der Arzt Oscar Cahen im April 1941 mit, dass er zukünftig nur noch jüdische Patienten behandeln darf

In den Niederlanden trauert Israel. Hiermit erfülle ich

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  • 1941
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Grenzen der Oberlandratsbezirke nach der Gebietsreform von 1940 (im Protektorat Böhmen und Mähren)

Oscar Cahen (1874–1943), Arzt; von 1903 an Arzt in Leiden, dann in Dordrecht,
1931–1935 Mitglied des Stadtrats Dordrecht; im Dez. 1942 nach Westerbork deportiert, im März 1943 weiter nach Sobibór und dort am 13.3.1943 ermordet.

 

Dr. Arthur Seyß-Inquart (1892–1946), Jurist; 1931 NSDAP-Eintritt, Mitglied im Deutsch-Österreichischen Volksbund und im Steirischen Heimatschutz; Febr. 1938 Innenminister von Österreich, März 1938 Bundeskanzler und Reichsstatthalter von Österreich, 1939–1940 Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank im besetzten Polen, vom 25.4.1940 an Reichskommissar der Niederlande; 1946 im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Mitteilung an Patienten und Kollegen

 

In den Niederlanden trauert Israel

Hiermit erfülle ich die traurige Pflicht mitzuteilen, dass ich ab dem 1. Mai 1941 nicht mehr konsultiert werden kann infolge der Anordnung des Reichskommissars für die besetzten niederländischen Gebiete, die mir verbietet, nichtjüdische Patienten zu behandeln.

In Leiden habe ich 33 Jahre lang gelebt und ebenso lang in Dordrecht, bin Hausarzt, davon rund 28 Jahre lang Sozialhilfsarzt, zehn Jahre auch Narkosearzt des Gemeindekrankenhauses und vier Jahre lang Gemeinderatsmitglied. Ich glaube, dass ich als jüdischer Niederländer und auch als Arzt unverzagt und treu den Eid gehalten habe, den ich vor 50 Jahren bei meiner Initiation abgelegt habe, gemäß der stolzen Devise: „Virtus, Concordia, Fides“, was Tugend, Zusammenarbeit und Verlässlichkeit bedeutet, und dass ich als Arzt und Mensch ehrlich, menschenfreundlich und zuverlässig gelebt habe. Auf jeden Fall habe ich danach gestrebt, nach dem Motto:

1. Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Anderen zu, und

2. Was ich für mich wünsche, möchte ich auch für jeden anderen Menschen.

Meine ehemaligen Patienten, ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Freundschaft, die mir viele während all dieser Jahre entgegengebracht haben.

Meinen Haus- und Facharztkollegen danke ich für ihre Unterstützung, ihre wahrhafte berufliche „Bruderschaft“, die meinen Patienten und mir selbst zugutekam.

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