Dok. 04-314
Der Leiter der Umwandererzentralstelle Posen berichtet am 16. Juli 1941 von Erwägungen, die nicht arbeitsfähigen Juden mit „einem schnell wirkenden Mittel” zu ermorden

Lieber Kamerad Eichmann!
In der Anlage übersende ich einen Aktenvermerk

  • Chronologie
  • Orte
  • Personen
  • Stichworte
  • Skript
 
  • Dummy Pfeil Links
 
  • 1941
 
  • 1942
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Staatsgrenzen und Grenzen der Unionsrepubliken der UdSSR 1938–1941
  • Grenze Deutsch-sowjetische Demarkationslinie im besetzten Polen vom 28. Sept.1939
  • Grenze Grenze zwischen den eingegliederten Gebieten und dem Generalgouvernement

Rolf-Heinz Höppner (1910–1998), Jurist; 1930 NSDAP-, 1931 SA- und 1934 SS-Eintritt; von 1939 an Leiter des Volkstumsreferats in der Reichsstatthalterei in Posen, 1940–1944 zugleich Leiter des SD-Leitabschnitts und der UWZ Posen, von Mitte 1942 an Gauamtsleiter für Volkstumsfragen, Juli 1944 Amtschef in der Reichsstatthalterei; 1945–1947 in britischer Gefangenschaft, nach Polen ausgeliefert, 1949 in Posen zu lebenslanger Haft verurteilt, 1957 entlassen, danach Oberregierungsrat im Wohnungsbauministerium.

 

Adolf Karl Eichmann (1906–1962), Vertreter; 1932 NSDAP- und SS-Eintritt; 1934–1938 im SD-Hauptamt tätig, von Sommer 1938 an Leiter der Geschäfte der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und 1939 der Zentralstelle in Prag, von Dez. 1939 an Sonderreferent des Reichssicherheitshauptamts für die Räumung der annektierten Ostprovinzen, dann Leiter des Reichssicherheitshauptamt-Referats IV D 4, später IV B 4 (Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten); 1945–1946 Inhaftierung, 1946 Flucht, 1950–1960 in Argentinien untergetaucht, 1960 nach Israel entführt, dort 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

Vermerk, gez. SS-Sturmbannführer Höppner, für RSHA [Reichssicherheitshauptamt] Amt IV B 4, Eichmann

 

Lieber Kamerad Eichmann!

In der Anlage übersende ich einen Aktenvermerk, in dem verschiedene Besprechungen in der hiesigen Reichsstatthalterei zusammengefaßt sind. Ich wäre Ihnen gelegentlich für eine Stellungnahme dazu dankbar. Die Dinge klingen teilweise phantastisch, wären aber meiner Ansicht nach durchaus durchzuführen.

1 Anlage

Aktenvermerk

Betr.: Lösung der Judenfrage

Bei Besprechungen in der Reichsstatthalterei wurde von verschiedenen Stellen die Lösung der Judenfrage im Reichsgau Wartheland angeschnitten. Man schlägt dort folgende Lösung vor:

1. Sämtliche Juden des Warthegaues werden in ein Lager für 300 000 Juden genommen, das in möglichster Nähe der Kohlenmagistrale in Barackenform errichtet wird, und in dem barackenmäßige Einrichtungen für Wirtschaftsbetriebe, Schneidereien, Schustereien usw. enthalten sind.

2. In dieses Lager werden sämtliche Juden des Warthegaues verbracht. Arbeitsfähige Juden können nach Bedarf zu Arbeitskommandos zusammengestellt und aus dem Lager herausgezogen werden.

3. Ein derartiges Lager läßt sich nach Meinung von SS-Brigadeführer Albert mit bedeutend weniger Polizeikräften bewachen, als dies jetzt der Fall ist. Außerdem ist die Seuchengefahr, die in Litzmannstadt und in anderen Ghettos für die umliegende Bevölkerung immer wieder besteht, auf ein Mindestmaß beschränkt.

4. Es besteht in diesem Winter die Gefahr, daß die Juden nicht mehr sämtlich ernährt werden können. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob es nicht die humanste Lösung ist, die Juden, soweit sie nicht arbeitseinsatzfähig sind, durch irgendein schnellwirkendes Mittel zu erledigen. Auf jeden Fall wäre dies angenehmer, als sie verhungern zu lassen.

5. Im übrigen wurde der Vorschlag gemacht, in diesem Lager sämtliche Jüdinnen, von denen noch Kinder zu erwarten sind, zu sterilisieren, damit mit dieser Generation tatsächlich das Judenproblem restlos gelöst wird.

6. Der Reichsstatthalter hat sich zu dieser Angelegenheit noch nicht geäußert. Es besteht der Eindruck, daß Regierungspräsident Uebelhoer nicht wünscht, daß das Ghetto in Litzmannstadt verschwindet, da er mit ihm ganz gut zu verdienen scheint. Als Beispiel, wie man an Juden verdienen kann, wurde mir mitgeteilt, daß das Reichsarbeitsministerium aus einem Sonderfonds für jeden in der Arbeit eingesetzten Juden RM 6 bezahlt, der Jude aber nur 80 Pfg. kostet.