Dok. 04-134
Der Arzt Zygmunt Klukowski beschreibt am 17. Juli 1940 die erste Deportation von Juden aus Szczebrzeszyn ins Arbeitslager

Heute Morgen fand die Zwangsrekrutierung

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Dr. Zygmunt Klukowski (1885–1959), Arzt; Medizinstudium in Moskau und Krakau, 1920–1946 Direktor des Krankenhauses in Szczebrzeszyn; Sept. 1939 Kriegsteilnahme in Ostpolen, danach mehrmals kurzzeitig verhaftet, 1941–1944 im poln. Untergrund tätig; nach Kriegsende vom poln. Staatssicherheitsdienst verfolgt, 1951 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt (nach einem Jahr entlassen).

Handschriftl. Tagebuch

 

17.7.

[…]

Heute Morgen fand die Zwangsrekrutierung der Juden statt. Der „Judenrat“ hatte 130 junge Männer bestimmt und jedem von ihnen eine namentliche Einberufungskarte ausgehändigt, doch nur 98 fanden sich ein. Der Rest war geflohen oder versteckte sich. Aus Zamość kamen Gestapo-Beamte. Man hatte ihnen 20 berittene Soldaten mitgegeben. Daraufhin begann eine Treibjagd auf die Juden. Die Mütter, Schwestern und Väter der auf dem Marktplatz versammelten verängstigten jüdischen Halbwüchsigen, die ihnen so nahe wie möglich zu sein suchten, die ihnen noch etwas geben, mit ihnen sprechen, sich verabschieden wollten, wurden vertrieben. So mancher erhielt einen Stockschlag auf den Rücken. In verschiedene Richtungen wurden Soldaten ausgeschickt, um die Entlaufenen zu suchen. Auf schönen polnischen Pferden tobten sie über die Gehwege. Einige der Flüchtigen wurden gefunden, an Stelle der Übrigen nahm man die Eltern mit. Die Mitglieder des „Judenrats“ bekamen auch etwas ab. Der stellvertretende Vorsitzende wurde mit Knüppeln geschlagen, und man befahl ihm, eine Stunde lang ausgestreckt auf dem Marktplatz zu liegen. Schließlich wurden die meisten Juden vom Marktplatz und aus den benachbarten Gassen zusammengetrieben und in Dreierreihen in Richtung Bahnhof geführt. Von allen Seiten waren sie von berittenen Soldaten umgeben. Dieser Marsch wurde vom Weinen und Wehklagen der Jüdinnen begleitet, die sich in den Hauseinfahrten und in den Seitengassen verbargen.

Die ganze Zwangsrekrutierung wurde von vielen Polen beobachtet. Auf vielen Gesichtern war nicht das geringste Mitgefühl zu erkennen, im Gegenteil, man lachte und machte Witze.

[…]