Dok. 03-019
Eichmanns Stellvertreter Rolf Günther sichert sich am 9. Oktober 1939 die Unterstützung von Wehrmacht und Zivilverwaltung bei der geplanten Deportation der Juden aus Kattowitz

Betrifft: Besprechung mit Generalmajor v. Knobelsdorf und mit dem Chef der Zivilverwaltung

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  • 1939
 
  • 1940
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937
  • Grenze Grenzen der Oberlandratsbezirke nach der Gebietsreform von 1940 (im Protektorat Böhmen und Mähren)

Rolf Günther (1913–1945?), kaufm. Angestellter; 1929–1937 SA-Mitglied, 1931 NSDAP-, 1937 SS-Eintritt; von 1935 an Mitarbeiter der Gestapo Erfurt; von 1938 an in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien tätig, Stellvertreter Eichmanns im Reichssicherheitshauptamt, 1943/44 beim Zentralamt für die Regelung der Judenfrage in Böhmen und Mähren, 1944 im Reichssicherheitshauptamt, Amt IV B 4 (Juden-, Räumungsangelegenheiten), nahm sich vermutlich das Leben.

 

Richtig: Otto von Knobelsdorff (1886–1966), Berufssoldat; von 1906 an im Militär, 1929 Major, 1939 Generalmajor, 1940 Generalleutnant, 1940–1942 Kommandeur der 19. Infanterie-/Panzer-Division in Frankreich und der Sowjetunion, 1942 General der Panzertruppe, 1944 Oberbefehlshaber der 1. Armee; 1945–1947 in US-Kriegsgefangenschaft.

 

Otto Fitzner (1888–1945?), Bergwerksdirektor; 1919/20 Freikorpsangehöriger, von 1925 an techn. Direktor des Zinkunternehmens Georg v. Giesches Erben, Breslau; 1931 NSDAP- und SA-Eintritt; 1935 Leiter der Wirtschaftskammer Schlesien und Präsident der Industrie- und Handelskammer Breslau, von Sept. 1939 an Chef der Zivilverwaltung im Grenzschutz-Abschnittkommando 3 in Kattowitz, Wehrwirtschaftsführer, von 1941 an Gauwirtschaftsberater von Niederschlesien.

 

Adolf Karl Eichmann (1906–1962), Vertreter; 1932 NSDAP- und SS-Eintritt; 1934–1938 im SD-Hauptamt tätig, von Sommer 1938 an Leiter der Geschäfte der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und 1939 der Zentralstelle in Prag, von Dez. 1939 an Sonderreferent des Reichssicherheitshauptamts für die Räumung der annektierten Ostprovinzen, dann Leiter des Reichssicherheitshauptamt-Referats IV D 4, später IV B 4 (Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten); 1945–1946 Inhaftierung, 1946 Flucht, 1950–1960 in Argentinien untergetaucht, 1960 nach Israel entführt, dort 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

 

Vermutlich: Carl Friedrich Graf von Pückler-Burghauss (1886–1945), Offizier, Landwirt; 1919–1931 DNVP-Mitglied, 1931 NSDAP- und SA-Eintritt, 1933 MdR; 1934–1937 Landwirt; 1937–1939 Amtschef in der Obersten SA-Führung; 1939 zur Wehrmacht; 1940 SS-Eintritt, 1941/42 Vertreter des HSSPF Russland-Mitte, 1942/43 Befehlshaber der Waffen-SS in Böhmen und Mähren, 1944 Generalleutnant der Waffen-SS, 1945 Militärbefehlshaber Böhmen-Mähren; nahm sich das Leben.

Betrifft: Besprechung mit Generalmajor v. Knobelsdorf und mit dem Chef der Zivilverwaltung, Präsident Fitzner, in Kattowitz am Montag, den 9.X.1939.

I. Vermerk:

Am Montag, den 9.X.1939, sprachen in Kattowitz SS-H’Stuf. [Hauptsturmführer] Eichmann und SS-H’Stuf. Günther bei Generalmajor v. Knobelsdorf, Grenzabschnittskommando III, vor, um bezüglich des Abtransportes von Juden aus Kattowitz und Umgebung zu verhandeln. SS-H’Stuf. Eichmann teilte Generalmajor v. Knobelsdorf ausführlich seinen Auftrag mit und bat um Unterstützung der militärischen Stellen, die der Generalmajor für seinen Bereich auch in jeder Weise ausdrücklich zusagte. Als Vertreter nannte Generalmajor v. Knobelsdorf Hauptmann Graf Bückler-Burksdorf, der ebenfalls an dieser Besprechung teilnahm.

Im Laufe der Besprechung erschien im Arbeitszimmer des Generalmajors der Chef der Zivilverwaltung, Präsident Fitzner, der somit ebenfalls von dem beabsichtigten Transport von Juden unterrichtet werden konnte. Auch Präsident Fitzner erklärte, die Vorbereitungen und die Durchführung des Transportes in jeder Weise unterstützen zu wollen.

H’Stuf. Eichmann teilte mit, daß vorerst je 2 Transporte ab Mähr.-Ostrau und ab Kattowitz geplant seien. Nach der Durchführung muß über den Chef der Sicherheitspolizei dem Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei ein Erfahrungsbericht vorgelegt werden, der wahrscheinlich an den Führer weitergeleitet werden würde. Es muß dann abgewartet werden, bis der generelle Abtransport von Juden angeordnet wird.

Der Führer hat vorerst die Umschichtung von 300 000 unbemittelten Juden aus dem Altreich und aus der Ostmark angeordnet.

Am Schluß der Besprechung baten sowohl Generalmajor v. Knobelsdorf wie auch der Chef der Zivilverwaltung, ihn laufend von dem Fortgang zu informieren.