Dok. 02-086
Luise Solmitz schreibt am 24. August 1938 über die Einführung der Zwangsvornamen für Juden

Anruf … „Und wie geht es Ihnen?” Es ist so bitter, sagen zu müssen

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Gemeint ist Friedrich Wilhelm, der Ehemann von Luise Solmitz.

 

Dr. Wilhelm Frick (1877–1946), Jurist; von 1903 an in der bayer. Verwaltung, leitete 1919–1921 die Politische Polizei München, 1923 die Kriminalpolizei München, 1923/24 Haft wegen Beteiligung am Hitler-Putsch, 1924 Dienstenthebung und Wiedereinsetzung; 1925 NSDAP-Eintritt; 1930/31 thüring. Minister des Innern und für Volksbildung, 1933–1943 RMdI, von Aug. 1943 an Reichsprotektor für Böhmen und Mähren; im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt, hingerichtet.

 

Der ungar. Reichsverweser Miklós Horthy war vom 21. bis 26.8.1938 auf Staatsbesuch in Deutschland. Am 24.8.1938 reiste Hitler mit Horthy, einst Admiral der k.u.k. Marine, nach Hamburg.

Tagebuch von Luise Solmitz, Hamburg (Abschrift)

 

Anruf … „Und wie geht es Ihnen?“ Es ist so bitter, sagen zu müssen „Danke, gut!“, wenn man ums nackte Leben kämpft und nicht mehr Achtung geniessen soll als ein Zuchthäusler.

Und abends fiel dann auch der neue Schlag, auf den wir warteten.

Fr. ganz blass und still, dann sagte er es mir.

Deutsche, nur deutsche Vornamen, ein paar eingebürgerte eingeschlossen.

Aber Juden jüdische. – Ich sagte vorher: „Pass auf, sie schreiben sie vor!“ Und so kam es auch. Nicht Jonas, Josua, Benjamin, die sich ertragen liessen, sondern furchtbarste, kaum gekannte, zum Teil beleidigende Namen, und was für Fr. in Betracht kommt, wer andere Vornamen hat, muss ihnen, als Mann: Israel, als Frau: Sarah hinzufügen. Man weiss gar nicht, was man sagen soll. Jede amtliche Unterschrift muss so geleistet werden; so steht’s im Fernsprechverzeichnis, im Adressbuch, im Girokonto.

Fr. schrieb sogleich an den Minister des Innern Frick, bat ihn, davon verschont zu bleiben, gab seine Gründe an. Wer weiss, ob das nicht noch als Auflehnung gilt? ...

Hitler und Horthy in Hamburg. – Herr v.Z. hatte sie gesehen, Hitler, ganz gegen seine Gewohnheit, wohl um des Gastes willen, tief im Wagen.