Dok. 02-082
Frau Marx bittet am 16. August 1938 den Papst um Hilfe angesichts der schwierigen Lage der „nicht-arischen” Katholiken

Heiliger Vater!
Nur die größte Sorge um

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Maria Marx, wohnte 1938 mit ihrem Ehemann Dr. Georg Marx (1870–1947) in Remscheid, später in Köln. Ihr Mann überlebte den Krieg versteckt in einem Kloster katholischer Ordensschwestern in Koblenz-Lützel.

Handschriftl. Brief von Frau Dr. med. Georg Marx, z.Zt. Rom

 

Heiliger Vater!

Nur die größte Sorge um die Existenz meiner Familie, die in verzweifelter Situation sich befindet, bringt mich dazu, als einfache Frau Ew. Heiligkeit mit diesem Briefe zu behelligen. Seit 5 Jahren sehe ich aus um Hilfe um einen Ausweg, resultatlos. Ich bin die deutsche katholische Frau eines jüdischen, deutschen Arztes, dessen Vorfahren während der spanischen Inquisition über Holland nach Deutschland geflüchtet sind. Meine 4 Kinder, katholisch getauft und in confessionellen Schulen erzogen, sind also Halb-Arier. Durch die Sonderbestimmungen für jüdische Ärzte in Deutschland in den letzten 5 Jahren sind unsere pekuniären Verhältnisse aufs äußerste erschüttert und durch die neue gesetzliche Bestimmung, die ab 30. Sept. jedem jüdischen Arzt jede ärztliche Tätigkeit bei Gefängnisstrafe untersagt, [ist] unsere Existenz vollkommen vernichtet worden. Mein Mann, jetzt im 69. Lebensjahr, über dessen tadellosen Charakter, die Vornehmheit, mit welcher er seine Kinder in der katholischen Religion erziehen ließ, bin ich jederzeit im Stande, Ew. Heiligkeit die denkbar besten Empfehlungen des Seelsorgers unserer Pfarrei und der Seelsorger meiner Kinder zu bringen. Seit 5 Jahren, und gerade in besonderem Maße in den letzten Monaten, sind durch die jüdischen Hilfskomitees der ganzen Welt einer großen Zahl von Juden im Ausland eine Existenzmöglichkeit geschaffen worden, besonders auch für jüdische Ärzte. Aber so viel ich mich auch bemühte, unterstützt durch beste priesterliche Empfehlungen, ich finde keine Hilfe. Die jüdischen Hilfskomitees sind nur zuständig für „rein jüdische Fälle!“ Unsere Familie besteht aber nur aus einem Juden und fünf Katholiken! Wie kann mein Mann von den Juden Hilfe erwarten mit seiner katholischen Frau und seinen katholischen Kindern?!

[…]

Kommen wir aus Deutschland nicht heraus, sind wir einfach ab 30. Sept. zum Zugrunde-gehen verurteilt. Und so schließe ich mit der inigen Bitte: Heiliger Vater! Helfen Sie uns um Christi Willen! Lassen Sie den jüdischen Mann mit seiner katholischen Familie nicht zu Grunde gehen.

In tiefster Ehrfurcht

Euer Heiligkeit

Ergebenst