Dok. 01-083
Die entlassene Beamtin Johanna Rosenthal bittet die Oberpostdirektion Berlin am 9. Oktober 1933 um ein Gnadenruhegehalt

Am 22. September 1933 erhielt ich meine Versetzung in den

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  • 1939
  • Grenze Staatsgrenzen von 1937

Johanna Rosenthal (1900–1944), Beamtin; 1920–1933 Angestellte, später Beamtin auf Lebenszeit bei der Post; im Juni 1943 Deportation nach Theresienstadt, von dort im Oktober 1944 nach Auschwitz.

Schreiben an die Oberpostdirektion Berlin (Entwurf)


Am 22. September 1933 erhielt ich meine Versetzung in den dauernden Ruhestand mit dem Vermerk, daß […] mir ein Ruhegeld nicht zusteht. Das Verbot meiner Weiterbeschäftigung als Beamtin wegen meiner nicht arischen Abstammung erschüttert mich schwer. Ich bin mir nicht bewußt, meine dienstlichen Pflichten in irgendeiner Weise verletzt zu haben. Mein Bestreben ging immer dahin, die mir aufgetragenen Dienste bestens zu erfüllen und mich für meinen Dienst voll leistungsfähig zu halten. Die geringe Zahl meiner Krankheitstage in 14 Jahren zeigt, wie wenig ich meinen Dienst versäumte. Von politischen Bestrebungen habe ich mich stets fern gehalten. Ich gehörte auch keiner politischen Partei an.

Wie sehr die Mitglieder meiner Familie sich als Deutsche gefühlt haben, mögen folgende Angaben zeigen:

Mein Vater diente von 1875–78 in Preußen. Zwei meiner Brüder waren 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Einer hat den Krieg an der Westfront mitgemacht und ist zweimal verwundet worden. Beide Brüder sind jetzt erwerbslos. So sehr mich das Verbot der Weiterbeschäftigung erschüttert hat, so stürzt mich jedoch die Tatsache des Ausschlusses von der Gewährung eines Ruhegehalts in tiefe Verzweiflung. Mein 81jähriger Vater und ich stehen damit dem Nichts gegenüber.

Der Oberpostdirektion erlaube ich mir deshalb, die Bitte zu unterbreiten, die Gewährung eines Gnadenruhegehalts genehmigen zu wollen.